{"id":207718,"date":"2024-02-24T00:02:23","date_gmt":"2024-02-24T00:02:23","guid":{"rendered":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/2024\/02\/24\/der-weg-nach-hause-eurozine\/"},"modified":"2025-06-25T17:21:39","modified_gmt":"2025-06-25T17:21:39","slug":"der-weg-nach-hause-eurozine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/2024\/02\/24\/der-weg-nach-hause-eurozine\/","title":{"rendered":"Der Weg nach Hause | Eurozine"},"content":{"rendered":"<p> [ad_1]<br \/>\n<\/p>\n<div id=\"main-text\">\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Unmittelbar nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 schien es, dass sich alles ver\u00e4ndert hatte und nie wieder so sein w\u00fcrde wie zuvor. Als Polen, das von einer ausgesprochen fl\u00fcchtlingsfeindlichen Regierung gef\u00fchrt wird, <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">seine Tore f\u00fcr Millionen von Menschen \u00f6ffnete, lie\u00dfen viele Europ\u00e4er*innen alles stehen und liegen, um an die Grenze zu gehen und als freiwillige Helfer*innen t\u00e4tig zu werden. Die Solidarit\u00e4t mit der Ukraine war \u00fcberw\u00e4ltigend. Sie gab Hoffnung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Gleiche galt f\u00fcr die Ukrainer*innen. Die existenzielle Bedrohung und der daraus resultierende Effekt, <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">sich um die Fahne zu sammeln<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> f\u00fchrten zu einem noch nie dagewesenen Grad an sozialem Zusammenhalt, der bei der Vielfalt der historischen Entwicklung, der Sprachen, der ethnischen und religi\u00f6sen Identit\u00e4ten und der politischen Unterschiede in der Ukraine zuvor unvorstellbar war. Zum ersten Mal schien es, als ob alle die gleichen Erfahrungen machten und ihre Herzen und K\u00f6pfe f\u00fcr andere \u00f6ffneten: Westliche St\u00e4dte wie Lwiw nahmen Gefl\u00fcchtete aus dem S\u00fcdosten auf; Stadtbewohner*innen flohen in D\u00f6rfer; die Jungen lebten mit den Alten in sichereren Regionen. Reiche und Arme, Arbeiter*innen und Intelligenzler*innen, Christ*innen, Muslim*innen, J\u00fcdinnen und Juden, Russisch und Ukrainisch Sprechende \u2013 alle landeten Schulter an Schulter in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben oder Schutzr\u00e4umen, als das Sperrfeuer der russischen Raketen wahllos drohte. Es schien, als geh\u00f6rten die alten sozialen Teilungen der Vergangenheit an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Heute sieht es jedoch so aus, als ob all diese Auswirkungen nur von kurzer Dauer waren. Je l\u00e4nger der Krieg andauert, desto vielf\u00e4ltiger sind die Erfahrungen und desto ungleichm\u00e4\u00dfiger sind seine Folgen, die zu neuen Spaltungen und sozialen Hierarchien f\u00fchren. Es haben sich drei gro\u00dfe Gruppen herausgebildet: diejenigen, die in der Armee dienen, diejenigen, die geblieben sind, und diejenigen, die gegangen sind. Die Beziehungen zwischen diesen Gruppen und zunehmend auch innerhalb jeder Gruppe sind von Spannungen und Beurteilungen gekennzeichnet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Verst\u00e4ndnisl\u00fccken aufgrund unterschiedlicher Kriegserfahrungen, gepaart mit der hohen emotionalen Belastung, der k\u00f6rperlichen Ersch\u00f6pfung und der allgemeinen Beanspruchung der Menschen, haben im Laufe der Zeit zu sozialen Spannungen gef\u00fchrt und bestimmte Kluften vertieft. Das <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201aSammeln um die Fahne\u2018 <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2013 nicht nur zur Unterst\u00fctzung der Regierung, sondern auch f\u00fcr die zwischenmenschliche Solidarit\u00e4t \u2013 kann nicht ewig aufrechterhalten werden. Und der Zerfall des sozialen Zusammenhalts begann in der Diaspora fr\u00fcher als in der ukrainischen Gesellschaft \u2013 theoretisch, weil es keine unmittelbare Bedrohung gab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Da ich sowohl vor als auch nach dem Beginn der Invasion selbst Migrantin war, wei\u00df ich, wie sich die Wahrnehmung der ausgewanderten Ukrainer*innen im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert hat. Von allen L\u00e4ndern hat Polen, wo ich meine Forschung \u00fcber ukrainische Erfahrungen im Ausland durchgef\u00fchrt habe, die meisten Ukrainer*innen aufgenommen: mindestens 1,3 Millionen von 2014 bis 2021.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> Diese Zahl hat sich 2022 verdoppelt. Die Befragung von Arbeitsmigrant*innen aus der Ukraine im Jahr 2021 und erneut Ende 2022 zeigte, dass die Ressentiments zunehmen; die Prozesse der Auswanderung und der Aufnahme sowie ihre Bedeutung waren f\u00fcr die ehemaligen Arbeitsmigrant*innen der vergangenen Jahre und die neu angekommenen Gefl\u00fcchteten sehr unterschiedlich.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_30240\" style=\"width: 812px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-30240\" class=\"wp-image-30240 size-full\" src=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Screenshot-2023-12-11-at-10.49.55.png\" alt=\"\" width=\"802\" height=\"458\" srcset=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Screenshot-2023-12-11-at-10.49.55.png 802w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Screenshot-2023-12-11-at-10.49.55-300x171.png 300w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Screenshot-2023-12-11-at-10.49.55-768x439.png 768w\" sizes=\"(max-width: 802px) 100vw, 802px\"\/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-30240\" class=\"wp-caption-text\">Demonstration in Prag, April 2022. Bild mit freundlicher Genehmigung der Autorin<\/p>\n<\/div>\n<h2><b>Die untersch\u00e4tzte Rolle der Diaspora<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch wenn die anf\u00e4ngliche Massenmobilisierung nach einigen Monaten nachlie\u00df, darf die Rolle der bestehenden ukrainischen Diaspora bei der Bew\u00e4ltigung der Krise nicht untersch\u00e4tzt werden. Die Netzwerke der Migrant*innen stellten den entscheidenden Faktor f\u00fcr die herzliche Aufnahme einer so gro\u00dfen Zahl von Ukrainer*innen, die vor dem Krieg flohen, dar. Wie die ukrainische Migrationsforscherin <\/span><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=aSO-ORDVvDA&amp;t=566s\"><span style=\"font-weight: 400;\">Olena Fedyuk zusammenfasst<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">: <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir uns die Statistiken des UN-Fl\u00fcchtlingshilfswerks ansehen, spiegelt die Zahl der Menschen, die in ein Land gekommen sind, oft die Zahl der Arbeitsmigrant*innen wider, die es in diesem Land bereits gab<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Sie weist ferner darauf hin: Arbeitsmigrant*innen, die oft als unpolitisch dargestellt werden, haben eine enorme Rolle bei der F\u00f6rderung dieser Mobilit\u00e4t gespielt. Ja, Europa hat die Grenzen ge\u00f6ffnet, und viele lokale Initiativen haben erste Hilfe geleistet, Katastrophenhilfe. Den gr\u00f6\u00dften finanziellen, sozialen und moralischen Druck bekamen aber wirklich die bestehenden Netzwerke von Arbeitsmigrant*innen zu sp\u00fcren. Sowohl die Statistiken als auch die Antworten aus den Interviews, die ich erhielt, best\u00e4tigen dies f\u00fcr Polen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Seitdem [24.02.2022] habe ich nicht mehr allein in meinem Bett geschlafen. Es kamen immer ein paar Freund*innen auf der Durchreise, und dann kam meine Mutter. (Anna, eine ukrainische Anw\u00e4ltin in Krakau).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ausnahmslos alle Befragten aus der bestehenden Diaspora waren auf die eine oder andere Weise aktiv; jede(r) hatte Familie oder Freund*innen, die die Ukraine wegen der umfassenden Invasion verlassen hatten. Auf die Frage, was die Gefl\u00fcchteten bei der Wahl ihres Ziellandes geleitet hat, war die h\u00e4ufigste Antwort, dass sie in diesem Land Familie haben. Dann kam es zu einem Schneeballeffekt, der im Jahr 2022 zu festen Migrationsmustern f\u00fchrte. Und wenn die gr\u00f6\u00dfte Last auf Einzelpersonen ohne ausreichende institutionelle Unterst\u00fctzung gelegt wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Spannungen aufbauen.<\/span><\/p>\n<h2><b>Gefl\u00fcchtete unter Verdacht<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Verschiedene Gruppen urteilen gleichzeitig \u00fcber die ukrainischen Gefl\u00fcchteten: die Aufnahmegesellschaften sind ersch\u00f6pft, die ersch\u00f6pften Menschen in der Heimat, manchmal auch die Familienangeh\u00f6rigen, und \u2013 vielleicht \u00fcberraschend \u2013 die Ukrainer*innen, die fr\u00fcher eingewandert sind. Im \u00f6ffentlichen Diskurs kursieren alle m\u00f6glichen Mythen \u00fcber Gefl\u00fcchtete. Einer meiner Diaspora-Befragten verglich Gefl\u00fcchtete mit <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Schmarotzern, die sich von der Sozialhilfe ern\u00e4hren<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Ein anderer nannte sie <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Gl\u00fcckspilze<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Wenn man in den sozialen Medien die Kommentare von Ukrainer*innen im Ausland liest, ist die Sprache manchmal sogar noch sch\u00e4rfer, und das schon seit der Ankunft der Gefl\u00fcchteten. Es ist ein Gef\u00fchl der Ver\u00e4rgerung \u00fcber die wahrgenommene Ungerechtigkeit und Ungleichheit sp\u00fcrbar: Gefl\u00fcchtete erhalten <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">umsonst<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018 <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Hilfe und M\u00f6glichkeiten, die fr\u00fcheren Migrant*innen bei ihrer Ankunft in Polen nicht zuteilwurden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Gefl\u00fcchtete befinden sich in der Asymmetrie der Migrationsnetzwerke in einer kompromittierten Position. Sie werden immer wieder aufgefordert, sich an ihren Platz zu erinnern, bescheiden und dankbar zu sein und die Ukraine und ihre Mitb\u00fcrger*innen nicht zu entehren. Fr\u00fchere Migrant*innen, insbesondere diejenigen, die sich dauerhaft in ihrem Gastland niedergelassen haben, f\u00fcrchten um ihren Ruf, um dessen Wahrung sie st\u00e4ndig k\u00e4mpfen. Sie bringen h\u00e4ufiger Scham zum Ausdruck als Empathie, Mitgef\u00fchl oder Trauer f\u00fcr ukrainische Mitb\u00fcrger*innen, die vor dem Krieg fliehen. Viel Wut und Misstrauen richtet sich letztendlich gegen die falschen Personen. Und die Gefl\u00fcchteten leiden oft unter einer Doppelbelastung: Von ihnen wird erwartet, dass sie diejenigen, die in der Ukraine geblieben sind, emotional, wenn nicht sogar finanziell versorgen, und zwar aus ihrer Position im Ausland, die als privilegiert gilt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jede definitive Aussage dar\u00fcber, wie es den ukrainischen Gefl\u00fcchteten geht, muss bei einer vertriebenen Bev\u00f6lkerung von 8 Millionen <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">eine irref\u00fchrende Verallgemeinerung sein. Da sie sich in \u00fcber 40 L\u00e4ndern niedergelassen haben <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">ist jede definitive Aussage \u00fcber ihre Lebensbedingungen ebenfalls eine irref\u00fchrende Verallgemeinerung. Die einzelnen Menschen und ihre Situationen unterscheiden sich einfach zu sehr. W\u00e4hrend einige ein teures Auto fahren, sind andere darauf angewiesen, dass Freiwillige wie die \u00d6sterreicherin Tanja Maier die Verteilung von <\/span><a href=\"https:\/\/cards-for-ukraine.at\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">50-Euro-Supermarktgutscheinen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> organisieren, um ihre Kinder ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Einige haben eine erfolgreiche Karriere, eine Partnerin oder einen Partner und ein Haus in einer relativ sicheren Stadt. Andere aus Orten wie Charkiw haben vielleicht alles verloren. Diejenigen, die aus St\u00e4dten wie Mariupol kommen, k\u00f6nnen nirgendwohin zur\u00fcckkehren. Stereotypisierung ist nicht hilfreich.<\/span><\/p>\n<h2><b>Das Geschlechtergef\u00e4lle<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ukrainische M\u00e4nner, die im Ausland leben, und solche, die sich dem Wehrdienst auf andere Art entzogen haben, werden besonders verurteilt. W\u00e4hrend das Ukrainisch-Sein und die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Heimatland im Krieg den Befragten ein neues Gef\u00fchl des Nationalstolzes auf die kollektiven Leistungen auf dem Schlachtfeld und im Widerstand vermittelte, l\u00f6ste es h\u00e4ufig auch ein Gef\u00fchl der Scham, Schuld und Selbstverurteilung aus, weil sie nicht zum K\u00e4mpfen zur\u00fcckkehrten. Da das Kriegsrecht ukrainische M\u00e4nner daran hindert, ins Ausland zu gehen, k\u00f6nnen m\u00e4nnliche Emigranten Freund*innen und Familie in der Heimat nicht besuchen, denn eine solche Reise w\u00e4re ohne R\u00fcckkehr. Die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die psychische Gesundheit richtete sich bisher haupts\u00e4chlich an Frauen, aber die diesbez\u00fcglichen psychischen Auswirkungen des Krieges k\u00f6nnten bei M\u00e4nnern schwerwiegender sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr Frauen haben der Krieg und die daraus resultierenden Ungleichgewichte in Bezug auf die Mobilit\u00e4t sowohl zu einer St\u00e4rkung als auch zu einer Verfestigung der Ungleichheiten zwischen den Geschlechterrollen gef\u00fchrt. Einerseits mussten Frauen mehr F\u00fchrungsaufgaben in Aktivismus und Diplomatie \u00fcbernehmen, w\u00e4hrend das den M\u00e4nnern nicht m\u00f6glich war. Andererseits wurden Frauen in die Rolle von Pflegenden gedr\u00e4ngt: Sie mussten Kinder und \u00e4ltere Familienmitglieder evakuieren, hatten oft nicht die M\u00f6glichkeit zu arbeiten und waren einem System ausgesetzt, das Anreize f\u00fcr Verwundbarkeit bietet.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_30242\" style=\"width: 988px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-30242\" class=\"size-full wp-image-30242\" src=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Screenshot-2023-12-11-at-12.30.55.png\" alt=\"\" width=\"978\" height=\"704\" srcset=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Screenshot-2023-12-11-at-12.30.55.png 978w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Screenshot-2023-12-11-at-12.30.55-300x216.png 300w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Screenshot-2023-12-11-at-12.30.55-768x553.png 768w\" sizes=\"(max-width: 978px) 100vw, 978px\"\/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-30242\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-weight: 400;\">Warschauer Bahnhof, M\u00e4rz 2022. Bild mit freundlicher Genehmigung der Autorin<\/span><\/p>\n<\/div>\n<h2><b>Wer wird zur\u00fcckkehren?<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das ist eine schwierige Frage. Nach dem Verlust von Millionen von Menschen, die geflohen sind (fast die H\u00e4lfte davon sind Kinder),\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Hunderttausenden, die bei K\u00e4mpfen und Angriffen ums Leben gekommen sind, und einer aufgrund der Instabilit\u00e4t stark sinkenden Geburtenrate sieht die demografische Prognose f\u00fcr die Ukraine d\u00fcster aus. Dieser Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang birgt erhebliche Risiken f\u00fcr die Wirtschaft und den allgemeinen Wohlstand des Landes; der Wiederaufbau nach dem Krieg wird qualifizierte H\u00e4nde und K\u00f6pfe erfordern. Vor 2014 waren der industrielle Donbass im Besonderen und der S\u00fcdosten im Allgemeinen die bev\u00f6lkerungsreichsten Regionen der Ukraine und leisteten den gr\u00f6\u00dften Beitrag zur nationalen Wirtschaft. Heute liegt die Industrie des Donbass angesichts von f\u00fcnf Millionen Binnenvertriebenen <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">in Tr\u00fcmmern, die Landwirtschaft im S\u00fcden wird durch die Verschmutzung durch Minen und die Zerst\u00f6rung des Kachowka-Staudamms beeintr\u00e4chtigt, und die K\u00fcstengebiete und das russische Grenzgebiet sind nach wie vor von Artilleriebeschuss bedroht; die sozio\u00f6konomische Landkarte der Ukraine \u00e4ndert sich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich habe meine Interviewpartner*innen aus der Diaspora nach ihren Gedanken zur R\u00fcckkehr in die Ukraine befragt. Im Gro\u00dfen und Ganzen hat der umfassende Krieg die Pl\u00e4ne der Emigrierenden nicht wesentlich ver\u00e4ndert, sondern ihre bereits bestehenden Positionen gest\u00e4rkt. Diejenigen, die sich im Ausland niederlassen wollten, um dort eine bessere Lebensqualit\u00e4t zu finden, wurden durch die Zerst\u00f6rung des Krieges in ihrer \u00dcberzeugung best\u00e4rkt, dies zu tun. Bei denjenigen, die zur\u00fcckkehren und zur Entwicklung der Ukraine beitragen wollten, hat der Krieg die Entschlossenheit gest\u00e4rkt. Trotz des Vorwurfs, dass Gefl\u00fcchtete die Hilfe missbrauchen, haben mehrere Befragte humanit\u00e4re Visaprogramme in anderen L\u00e4ndern beantragt und waren entweder bereits umgezogen oder hatten dies vor. Das war etwas, das sie schon immer wollten, und die liberalisierten Migrationsregelungen f\u00fcr Ukrainer*innen im Jahr 2022 boten ihnen die Gelegenheit dazu.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es besteht ein deutlicher Unterschied in der Wahl der Aufnahmeziele von Gefl\u00fcchteten und Wirtschaftsmigrant*innen. Gefl\u00fcchtete treffen ihre Entscheidungen in der Regel aufgrund dringender praktischer Bed\u00fcrfnisse: Sie ziehen oft an einen Ort mit verf\u00fcgbaren Unterk\u00fcnften. Viele Arbeitsmigrant*innen sind <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Tr\u00e4umer*innen<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">: Betroffene, die ihre Pl\u00e4ne, in ein anderes Land weiterzuziehen, mitteilten, geben oft stereotype Bilder von westlichen L\u00e4ndern als Grund an. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Polen zu verlassen wird beispielsweise oft mit der Vermeidung einer zunehmend illiberalen populistischen Politik in Verbindung gebracht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Statistiken zeigen einen hohen, wenn auch r\u00fcckl\u00e4ufigen Prozentsatz von Migrant*innen, die in die Ukraine zur\u00fcckkehren wollen: Laut einer k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrten Umfrage sind es 63 %. N<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">ach Gespr\u00e4chen mit ukrainischen Gefl\u00fcchteten in Europa w\u00fcrde ich diese Zahlen in Frage stellen. Sozialer Druck und Scham treiben viele dazu, die <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">richtige<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> Antwort zu geben, anstatt ihre tats\u00e4chlichen Gedanken, ihre Zweifel mitzuteilen. Der quantitative Charakter solcher Umfragen gibt keinen Aufschluss dar\u00fcber, wann oder unter welchen Umst\u00e4nden die Menschen bereit sind, zur\u00fcckzukehren, und was dies f\u00fcr sie bedeutet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Meinen Recherchen zufolge sprachen viele der Befragten von der M\u00f6glichkeit, nach dem Krieg in die Ukraine zur\u00fcckzukehren. Diese Aussicht wurde jedoch immer in hypothetischer Form diskutiert. Ich sprach mit einer Gefl\u00fcchteten, die auf einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung proaktiv erkl\u00e4rte, sie wolle zur\u00fcckkehren. Im Anschluss an die Veranstaltung erz\u00e4hlte sie mir unter vier Augen, wann sie dies zu tun gedenke: <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn mein Kind zur Universit\u00e4t geht \u2013 ich m\u00f6chte, dass es ein europ\u00e4isches Diplom erh\u00e4lt<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Auf die Frage, wie alt ihr Kind sei, antwortete sie: <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Es ist in der f\u00fcnften Klasse<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Eine andere Gefl\u00fcchtete, die mit einem Kind ausgereist war, \u00e4u\u00dferte sich nur vage \u00fcber ihre Pl\u00e4ne. Dann fiel mir auf, dass sie sich ihre Bibliothek aus Kyiv schicken lie\u00df \u2013 das schien eine st\u00e4rkere Absichtserkl\u00e4rung zu sein als alles, was sie in Worten ausdr\u00fcckte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Diejenigen, die zugaben, nicht in die Ukraine zur\u00fcckkehren zu wollen, \u00e4u\u00dferten sich stets sehr negativ \u00fcber die Zukunft der Ukraine. Die Hoffnung zu haben oder sie verloren zu haben, war wahrscheinlich der wichtigste Pr\u00e4diktor f\u00fcr die Absichten einer Person. Es k\u00f6nnte sein, dass Migrant*innen ein sehr negatives Bild von ihrem Heimatland vertreten, um zu begr\u00fcnden, dass sie sich selbst entwurzelt haben. Es k\u00f6nnte aber auch sein, dass diejenigen, die nicht optimistisch sind, dass in ihrem Heimatland positive Ver\u00e4nderungen erfolgen werden, eher dazu neigen, \u00fcberhaupt auszuwandern. Manchmal k\u00f6nnen sehr spezielle und pers\u00f6nliche negative Erfahrungen, wie z. B. Mobbing in der Schule, zu negativen Assoziationen in Bezug auf das gesamte Land und damit zu dem Wunsch, das Land zu verlassen, f\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Meistens wird jedoch mit weniger direkten, pers\u00f6nlichen Motiven wie Korruption, niedrigen L\u00f6hnen oder hoher Inflation begr\u00fcndet, warum man nicht zur\u00fcckkehren m\u00f6chte. Zwar wirken sich allgemeine Faktoren auf die Situation Einzelner aus, doch sind sie seltener ausschlaggebend f\u00fcr eine Entscheidung. Es scheint jedoch, dass es akzeptabler ist, unpers\u00f6nliche Gr\u00fcnde \u00f6ffentlich zu \u00e4u\u00dfern; wenn eine h\u00f6here Macht die Kontrolle \u00fcber Ihre Situation aus\u00fcbt, kann es Ihnen verziehen werden, wenn Sie nicht das <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Richtige<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> tun. Ehrlich zu sagen, dass man nicht zur\u00fcckkehren will, weil man im Ausland einen besser bezahlten Job gefunden hat, oder dass der Ehemann, der zu Hause auf einen wartet, einen misshandelt, oder dass man sich nicht mehr mit der Schwiegerfamilie herumschlagen muss, die man nicht mag, oder dass man einfach einen neuen Partner gefunden hat, der nicht eingezogen wird und mit einem im Ausland Urlaub machen kann, ist unter Ukrainer*innen gesellschaftlich inakzeptabel. Dennoch sind diese individuellen Umst\u00e4nde ausschlaggebend und sollten bei jeder Politik, die Anreize zur R\u00fcckkehr schafft, ber\u00fccksichtigt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bemerkenswert ist, dass sch\u00e4tzungsweise <\/span><a href=\"https:\/\/neweasterneurope.eu\/2023\/02\/15\/ukrainian-refugees-returning-home\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">ein Drittel der ukrainischen Gefl\u00fcchteten bereits zur\u00fcckgekehrt<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> ist. F\u00fcr diejenigen, die noch im Ausland sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer R\u00fcckkehr mit jedem Tag, den der Krieg andauert. Je l\u00e4nger sich die Gefl\u00fcchteten an ihr Aufnahmeland anpassen und dort ein Leben aufbauen \u2013 z. B. mit Kindern, die zur Schule gehen und eine neue Sprache lernen \u2013, desto traumatischer wird es sein, das Land wieder zu verlassen. Und je l\u00e4nger der Krieg dauert, je mehr H\u00e4user, Schulen und Krankenh\u00e4user zerst\u00f6rt werden, desto weniger gibt es, zu dem man zur\u00fcckkehren kann. Die gro\u00dfe Frage ist, wie man realistisch und schnell alles wieder aufbauen kann, vor allem in der N\u00e4he der russischen Grenze. Der beste Weg, den r\u00fcckkehrwilligen ukrainischen Gefl\u00fcchteten zu helfen, w\u00e4re die Verst\u00e4rkung der Luftabwehr \u00fcber den St\u00e4dten und der kritischen Infrastruktur, damit Schulen und Unternehmen nicht zu sehr beeintr\u00e4chtigt werden und Stromausf\u00e4lle im Winter gemildert und im Idealfall verhindert werden k\u00f6nnen. Das Ziel von Gefl\u00fcchteten ist es grunds\u00e4tzlich, nicht l\u00e4nger Gefl\u00fcchtete, Au\u00dfenseiter*innen zu sein, was f\u00fcr einige bedeutet, in ihre Heimat zur\u00fcckzukehren, wo sie in Frieden leben k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<div style=\"width: 974px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Screenshot-2023-12-11-at-12.31.21.png\" alt=\"\" width=\"964\" height=\"654\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Gefl\u00fcchtetenlager am Grenz\u00fcbergang Korczowa, M\u00e4rz 2022. Bild mit freundlicher Genehmigung der Autorin<\/p>\n<\/div>\n<h2><b>Rechtliche Prekarit\u00e4t<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr andere besteht der \u00dcbergang von ihrem Gefl\u00fcchtetenstatus darin, ihr Leben vollst\u00e4ndig im Ausland zu etablieren, Stabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten und akzeptiert zu werden. Das Warten und die Ungewissheit sind oft am anstrengendsten. Wir bezeichnen Ukrainer*innen, die vor dem Krieg geflohen sind, gemeinhin als Gefl\u00fcchtete. Rechtlich gesehen wurde den Ukrainer*innen jedoch ein vor\u00fcbergehender Schutzstatus und kein Asyl gew\u00e4hrt. Das Schl\u00fcsselwort ist hier <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">vor\u00fcbergehend<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. Die EU-Richtlinie, ein anf\u00e4nglicher Segen, k\u00f6nnte sich jedoch durchaus als Hindernis erweisen: Der Schutz ist auf maximal drei Jahre begrenzt, aber es ist nicht klar, was mit den ukrainischen Gefl\u00fcchteten geschieht, wenn die Frist abl\u00e4uft, und der zweite Jahrestag des Kriegsbeginns n\u00e4hert sich bereits.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> Die Umsetzung der Richtlinie ist von Land zu Land unterschiedlich. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Nirgendwo in der EU wird die Zeit, die Ukrainer*innen unter vor\u00fcbergehendem Schutz in den Mitgliedstaaten verbringen, allerdings auf die langfristige Aufenthaltsgenehmigung angerechnet. Da das Thema Migration stark politisiert ist, k\u00f6nnten die Europawahl und andere Wahlen im Jahr 2024 die L\u00f6sung dieser Frage weiter erschweren, was sowohl f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten als auch f\u00fcr die Aufnahmegesellschaften potenzielle Risiken birgt. F\u00fcr die Gefl\u00fcchteten macht der politisch konditionierte Diskurs \u00fcber Gastfreundschaft statt Rechte ihre Position prek\u00e4r; manchmal wird aus Gastfreundschaft <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Gastfeindschaft<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">, wie Derrida es formulierte. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr die Aufnahmegesellschaft besteht das Risiko, dass rechtspopulistische Akteure aus den wachsenden Ressentiments Kapital schlagen. Das war in vielen L\u00e4ndern nach der Aufnahme einer gro\u00dfen Zahl von Gefl\u00fcchteten der Fall, z. B. in Deutschland nach 2015.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">I<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">n mehreren L\u00e4ndern wird als L\u00f6sung f\u00fcr Gefl\u00fcchtete, die bleiben wollen, eine befristete Aufenthaltserlaubnis auf der Grundlage einer Besch\u00e4ftigung vorgeschlagen: eine Arbeitsmigrationsregelung f\u00fcr kriegsvertriebene Ukrainer*innen. Dieser Ansatz w\u00fcrde jedoch die Schwachen, Alten und Kranken ausschlie\u00dfen. Auch vielen Frauen mit Kindern, die die Mehrheit der ukrainischen Gefl\u00fcchteten ausmachen, w\u00e4re damit nicht gedient. Sie haben oft keinen Zugang zu erschwinglichen Kinderbetreuungseinrichtungen und k\u00f6nnen daher, da sie keine Familie im Ausland haben, keinen Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Diese Menschen leben in Angst davor, wie ihre Zukunft aussehen wird. Ob die Ukrainer*innen zur\u00fcckkehren oder nicht, wird stark davon abh\u00e4ngen, auf welche politischen Instrumente die Regierungen der Aufnahmel\u00e4nder zur\u00fcckgreifen werden. Viele Gefl\u00fcchtete kommen aus Frontgebieten und besetzten Gebieten. Solange die ukrainische Regierung nicht \u00fcber ausreichende Mittel f\u00fcr die Versorgung von Binnengefl\u00fcchteten verf\u00fcgt, sollte sie sich f\u00fcr den Schutz und die menschenw\u00fcrdige Behandlung ihrer B\u00fcrger*innen im Ausland einsetzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Ukraine k\u00f6nnte eines Tages eine eigene Einwanderungspolitik brauchen. Wenn die Zeit f\u00fcr einen umfassenden Wiederaufbau gekommen ist, werden mehr als nur zur\u00fcckkehrende Frauen und Kinder ben\u00f6tigt, um die anstehenden Aufgaben zu bew\u00e4ltigen. Die Ukrainer*innen werden sich an die Gastfreundschaft erinnern m\u00fcssen, die ihnen im Ausland zuteil wurde, und die gleiche oder eine bessere Gastfreundschaft gew\u00e4hren m\u00fcssen. Aber bei einer Arbeitslosigkeit von <\/span><a href=\"https:\/\/www.imf.org\/external\/datamapper\/LUR@WEO\/UKR\"><span style=\"font-weight: 400;\">fast 20 %<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, die sich seit der umfassenden Invasion verdoppelt hat, ist dies derzeit kein brennendes Problem. Anst\u00e4ndige L\u00f6hne hingegen schon.<\/span><\/p>\n<h2><b>Zugeh\u00f6rigkeit, Vertretung und Handlungsf\u00e4higkeit<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Teilnehmer*innen der Studie mit der gr\u00f6\u00dften Motivation, in die Ukraine zur\u00fcckzukehren, sind diejenigen, f\u00fcr die es wichtig ist, Teil der Zivilgesellschaft zu sein und Einfluss auf den sozialen und politischen Wandel nehmen zu k\u00f6nnen \u2013 etwas, von dem sie denken, dass es ihnen in einer fremden Gesellschaft noch nicht m\u00f6glich ist. Neben der Hoffnung auf einen positiven Wandel in der Ukraine nach dem Krieg f\u00fchlen sie sich auch f\u00fcr den Wiederaufbau verantwortlich:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich habe nicht das Gef\u00fchl, dass ich mein Leben lang in Polen leben kann, denn in Polen sind gleichgeschlechtliche Ehen nicht legalisiert. Was die Gleichberechtigung f\u00fcr mich als Angeh\u00f6riger einer geschlechtlichen Minderheit angeht, w\u00fcrde ich mich nicht wohl f\u00fchlen, also w\u00fcrde ich an einen anderen Ort gehen. Es ist gut m\u00f6glich, dass dieser andere Ort die Ukraine w\u00e4re. Selbst wenn gleichgeschlechtliche Ehen dort auch nicht legalisiert sind und es keine zivilen Partnerschaften gibt, w\u00e4re es f\u00fcr mich angenehmer, in der Ukraine zu leben, weil ich dort daf\u00fcr k\u00e4mpfen k\u00f6nnte. Ich w\u00fcrde gerne daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass sie in der Ukraine legalisiert werden \u2026 denn ich f\u00fchle mich nicht f\u00fcr die polnische Zivilgesellschaft verantwortlich. Ich bin f\u00fcr die ukrainische Gesellschaft verantwortlich, weil ich ein Teil von ihr bin. (Ihor, PhD-Student aus Luhansk)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Eine solche Aussage spiegelt eine St\u00e4rkung der ukrainischen b\u00fcrgerlichen nationalen Identit\u00e4t wider, und zwar nicht nur aufgrund einer gemeinsamen milit\u00e4rischen Bedrohung. Forschungsergebnisse und meine Daten deuten darauf hin, dass die gemeinsamen und partizipatorischen Erfahrungen der drei Revolutionen in der modernen Ukraine zur Verschmelzung der ukrainischen Identit\u00e4t mit aktiver Staatsb\u00fcrgerschaft gef\u00fchrt haben: <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">verst\u00e4rkte Solidarit\u00e4t mit Landsleuten, erh\u00f6hte Bereitschaft, die Ukraine zu verteidigen oder f\u00fcr die Ukraine zu arbeiten, und erh\u00f6htes Vertrauen in die Macht des Volkes, das Land zum Besseren zu ver\u00e4ndern \u2026 Einige glauben, dass die nationale Transformation und Konsolidierung auf dem Maidan selbst begann, mit der Bereitschaft, die gemeinsame Sache zu verteidigen und andere Menschen zu unterst\u00fctzen, die daf\u00fcr k\u00e4mpfen; Menschen, die kamen, um als Ukrainer*innen und nicht nur als Mitprotestierende wahrgenommen zu werden<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Der kollektive Widerstand gegen die Invasion im Jahr 2022, der alle Teile der Gesellschaft umfasste, verst\u00e4rkte diese Tendenzen.<\/span><\/p>\n<h2><b>Mit der Gegenwart zurechtkommen<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Daten aus diesem Forschungsprojekt zeigen, dass der umfassende Krieg im Allgemeinen die soziopolitischen Realit\u00e4ten noch nicht radikal ver\u00e4ndert zu haben scheint. Vielmehr hat er bestehende Tendenzen vertieft und eine weitere Polarisierung bewirkt. Es gibt sowohl Anzeichen f\u00fcr einen st\u00e4rkeren sozialen Zusammenhalt und Vers\u00f6hnung, f\u00fcr das Aufbrechen von Stereotypen als auch f\u00fcr eine Vertiefung der Kluften, einschlie\u00dflich neuer sozialer Spannungen. Die Auswirkungen werden wir jedoch erst im Nachhinein absch\u00e4tzen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch wenn die Zukunft der ukrainischen Migrant*innen in Europa noch sehr ungewiss ist, so ist doch klar, dass solche tektonischen demografischen Verschiebungen f\u00fcr die Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Politik sowohl der Ukraine als auch der EU in den kommenden Jahrzehnten von gro\u00dfer Bedeutung sein werden. In den letzten zehn Jahren sind rund 184.000 Ukrainer*innen zu EU-Staatsb\u00fcrger*innen geworden. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Allein diese Zahl deutet darauf hin, dass die ukrainische Diaspora nicht verschwindet, sondern vielmehr zu einer bedeutenden Kraft wird, die mit der Zeit eine politische Vertretung und mehr Einfluss entwickeln wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mehr als alle anderen muss sich die Ukraine selbst mit dieser Realit\u00e4t auseinandersetzen. Die Ukraine hat sich in den Jahren des Krieges wahrscheinlich mehr ver\u00e4ndert als in den Jahrzehnten der Unabh\u00e4ngigkeit davor, und noch mehr in den Monaten des umfassenden Krieges. Es ist wichtig, sich f\u00fcr Wiederaufbauprogramme zu entscheiden, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht, und f\u00fcr ein lohngest\u00fctztes Wachstum, das Bedingungen und Anreize f\u00fcr die R\u00fcckkehr von Migrant*innen schafft. Es ist auch wichtig zu erkennen, dass ein betr\u00e4chtlicher Teil der fr\u00fcheren Bev\u00f6lkerung nicht zur\u00fcckkehren wird, ganz gleich, wie die Anreize aussehen. Menschen zur R\u00fcckkehr zu zwingen, ist unm\u00f6glich und w\u00e4re in der Tat unmenschlich. Stattdessen braucht die Ukraine eine solide Diaspora-Politik, die die Ukrainer*innen in ganz Europa als Bereicherung und nicht als Problem betrachtet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zu Beginn der Invasion spielten die bestehenden Migrant*innennetzwerke eine wichtige Rolle bei der Ausgestaltung und Erm\u00f6glichung der westlichen Reaktion. Sie trugen nicht nur die Hauptlast bei der Aufnahme von Gefl\u00fcchteten, sondern organisierten auch Demonstrationen und Petitionen sowie die Beschaffung von humanit\u00e4rer und zweckgebundener Hilfe. Wer zum Beispiel im M\u00e4rz 2022 versucht hat, einen Druckverband zu kaufen, wei\u00df, dass dies praktisch unm\u00f6glich war: Ukrainer*innen in ganz Europa und Nordamerika hatten alle Regale und Lagerh\u00e4user f\u00fcr Erste-Hilfe-K\u00e4sten geleert. Auch die ausgewanderten Ukrainer*innen verdienen es, dass ihr Beitrag anerkannt wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ebenso kommt den Gefl\u00fcchteten eine besondere Rolle zu, wenn es darum geht, sich f\u00fcr Hilfe einzusetzen, den Wiederaufbauprozess zu gestalten und den Beitritt der Ukraine zur EU und zur NATO zu unterst\u00fctzen. Sie k\u00f6nnen als Kulturdiplomat*innen fungieren und Verbindungen zwischen der Ukraine und ihren Verb\u00fcndeten herstellen. Die Ukraine muss sie integrieren, unabh\u00e4ngig davon, wo sie sich befinden. Zu den weiteren Notwendigkeiten geh\u00f6rt es, gen\u00fcgend Wahllokale in ausl\u00e4ndischen Wahlbezirken zu betreiben oder sichere Wege zu finden, um per Post oder digital w\u00e4hlen zu k\u00f6nnen \u2013 so dass <\/span><a href=\"https:\/\/archive.kyivpost.com\/world\/how-ukrainians-living-abroad-can-vote-in-the-presidential-election.html\"><span style=\"font-weight: 400;\">Ukrainer*innen in Vancouver keinen Langstreckenflug nehmen m\u00fcssen, um ihre Stimme abzugeben<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Die Ukraine braucht dringend eine Strategie zur Einbindung der Diaspora. Es sollte keinen politischen Konflikt zwischen der Erleichterung der Integration in den Aufnahmel\u00e4ndern und der Sicherung der R\u00fcckkehr von Gefl\u00fcchteten geben \u2013 beides wird geschehen. F\u00fcr beides ist eine Verurteilung kein wirksamer Anreiz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Krieg ver\u00e4ndert das Gef\u00fcge der ukrainischen Gesellschaft dramatisch. Wir m\u00fcssen Wege finden, uns damit zu vers\u00f6hnen und uns anzupassen, anstatt uns \u00fcber unsere Landsleute zu \u00e4rgern, um die Wette zu leiden und in Nostalgie oder Fantasievorstellungen zu leben. Bei dem Wunsch, dass alle in die Ukraine zur\u00fcckkehren, geht es um mehr als nur die R\u00fcckkehr an einen bestimmten Ort. Es ist der Wunsch, in die Vergangenheit zur\u00fcckzukehren, zu der Situation, die vor diesem schrecklichen Krieg herrschte. Das demografische Bild der Ukraine hat sich ebenso ver\u00e4ndert wie ihre Stadtlandschaften. Lassen Sie uns versuchen, der schlechten Situation etwas Gutes abzugewinnen und nach Wegen zu suchen, einander mit Empathie zu begegnen.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-weight: 400;\">Dieser Artikel basiert auf Forschungsarbeiten, die im Rahmen eines Projekts durchgef\u00fchrt wurden, das durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europ\u00e4ischen Union unter der Finanzhilfevereinbarung Nr. 765224 finanziert wurde, sowie im Rahmen eines Gaststipendiums, das vom Institut f\u00fcr die Wissenschaften vom Menschen, Wien, gef\u00f6rdert wurde. Alle Namen der Interviewpartner wurden ge\u00e4ndert.<\/span><\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-weight: 400;\">Es wurde im Rahmen des Jugendprojekts <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Vom Wissen der Jungen. Wissenschaftskommunikation mit jungen Erwachsenen in Kriegszeiten<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> ver\u00f6ffentlicht, gef\u00f6rdert von der Kulturabteilung der Stadt Wien.<\/span><\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n<p>[ad_2]<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/www.eurozine.com\/der-weg-nach-hause\/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=der-weg-nach-hause\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[ad_1] Unmittelbar nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 schien es, dass sich alles ver\u00e4ndert hatte und nie wieder so sein w\u00fcrde<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":207719,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"footnotes":""},"categories":[154],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207718"}],"collection":[{"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=207718"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207718\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":342621,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207718\/revisions\/342621"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/207719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=207718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=207718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=207718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}