{"id":207509,"date":"2024-02-23T21:55:56","date_gmt":"2024-02-23T21:55:56","guid":{"rendered":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/2024\/02\/23\/die-wahl-der-ukrainischen-sprache-damals-und-heute\/"},"modified":"2025-06-25T17:21:40","modified_gmt":"2025-06-25T17:21:40","slug":"die-wahl-der-ukrainischen-sprache-damals-und-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/2024\/02\/23\/die-wahl-der-ukrainischen-sprache-damals-und-heute\/","title":{"rendered":"Die Wahl der ukrainischen Sprache, damals und heute"},"content":{"rendered":"<p> [ad_1]<br \/>\n<\/p>\n<div id=\"main-text\">\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im neunzehnten Jahrhundert war es oft eine Frage der Wahl, Ukrainer*in zu sein. Die ukrainische Stadtbev\u00f6lkerung sprach in der Regel andere Sprachen als Ukrainisch: meist Polnisch, manchmal Deutsch in den St\u00e4dten des von den Habsburgern beherrschten Galiziens im Westen, Russisch in den St\u00e4dten des Russischen Reiches, Jiddisch in den j\u00fcdisch besiedelten St\u00e4dten auf beiden Seiten der russisch-\u00f6sterreichischen Grenze. Die Mehrheit der Landbev\u00f6lkerung hingegen sprach ukrainische Dialekte und hielt an kulturellen Traditionen fest, die wir heute als typisch ukrainisch bezeichnen w\u00fcrden. Die wenigen Informationen, die wir \u00fcber ihr Selbstverst\u00e4ndnis haben, deuten jedoch darauf hin, dass sich die meisten in Ermangelung politischer Rechte eher mit ihrem Dorf, ihrer Religion oder der Bauernschaft identifizierten als mit einer gr\u00f6\u00dferen nationalen Gemeinschaft. Diejenigen, die in die St\u00e4dte zogen und es schafften, ihren sozialen Status zu erh\u00f6hen, legten in der Regel ihre l\u00e4ndlichen Dialekte ab. Sie wendeten sich Russisch und Polnisch zu und sprachen in der ersten Generation mit schwerer Zunge, w\u00e4hrend sich ihre Kinder weitgehend in die russisch- oder polnischsprachige st\u00e4dtische Gesellschaft integrierten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als die ukrainische Nationalbewegung in der Mitte des 19. Jahrhunderts an Fahrt gewann, waren einige ihrer Aktivist*innen ehemalige Dorfbewohner*innen, S\u00f6hne und T\u00f6chter von Bauern und B\u00e4uerinnen oder Landpfarrern, die sich nicht vollst\u00e4ndig assimiliert hatten und eine starke Verbindung zur ukrainischsprachigen l\u00e4ndlichen Kultur bewahrten. Aber viele waren es nicht. Bei den patriotischen Gelehrten, die sich in den 1860er und 1870er Jahren in den ukrainophilen Kreisen Kyivs versammelten, handelte es sich um einen bunt zusammengew\u00fcrfelten Haufen, den nicht sein gemeinsames ethnisches Erbe, sondern seine politischen \u00dcberzeugungen vereinte. Sie setzten sich gemeinsam f\u00fcr die ukrainischen Bauern und B\u00e4uerinnen ein, die der russische Staat als Kleinruss*innen, als Teil einer gr\u00f6\u00dferen russischen Nation, betrachtete. Die Ukrainophilen waren damit nicht einverstanden. F\u00fcr sie waren diese Bauern und B\u00e4uerinnen der Kern einer autonomen ukrainischen Nation, einer Nation mit eigener Sprache und Kultur. Um ihr Schicksal zu verbessern, musste der russische Staat f\u00f6deralisiert werden, indem man die Bauern und B\u00e4uerinnen von der Last der Assimilation befreite und sie in ihrer eigenen ukrainischen Sprache unterrichtete \u2013 einer Sprache, die viele ukrainophile Intellektuelle nicht sehr gut beherrschten.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Ukrainophile, nicht Ukrainophone<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der temperamentvollste Kiyver Ukrainophile war m\u00f6glicherweise Wolodymyr Antonowytsch. Der Professor f\u00fcr Geschichte an der Universit\u00e4t der Stadt stammte urspr\u00fcnglich aus einer polnischsprachigen Familie. Er wuchs auf einem Adelsgut in der l\u00e4ndlichen Ukraine auf und machte sich mit den Traditionen des polnischen Adels vertraut, der sich als kulturelle Elite der Region verstand und die ukrainisch sprechenden Bauern und B\u00e4uerinnen oft verachtete, weil er sie f\u00fcr ungebildet und faul hielt. Als Jugendlicher besuchte Antonowytsch eine russischsprachige Schule und studierte an den Universit\u00e4ten in Odesa und Kiyv, bevor er eine eigene akademische Laufbahn einschlug. Doch Antonowytschs Weg f\u00fchrte ihn weder zur polnischen Nationalit\u00e4t seiner Verwandten noch zur Assimilation an die russische imperiale Kultur.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als eifriger Leser der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rungsphilosophie interessierte sich der junge Student zunehmend f\u00fcr das Leben der ukrainischsprachigen Bauern und B\u00e4uerinnen, in denen er ein demokratisches Element der sozialen Ordnung der Region erkannte. Er und seine Freunde kleideten sich wie Bauern und begannen, \u00fcber das Land zu wandern, um das l\u00e4ndliche Leben kennenzulernen. Sie begannen, sich als Br\u00fcder der Bauern und B\u00e4uerinnen in einer eigenen ukrainischen Nation zu sehen. Die patriotischen polnischen Adligen waren dar\u00fcber nicht erfreut. Sie verspotteten Antonowytsch und seine Freunde als ch\u0142opomani (Bauernliebhaber) und beschuldigten sie, Verr\u00e4ter zu sein, die die polnische Nation verraten h\u00e4tten. Im Jahr 1862 verfasste Antonowytsch eine Antwort, in der er diesen Beinamen mit Stolz annahm:\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"motto\"><span style=\"font-weight: 400;\">Ich bin tats\u00e4chlich ein <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201a<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u00dcberl\u00e4ufer<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. [\u2026] Durch den Willen des Schicksals wurde ich in der Ukraine als Angeh\u00f6riger des Adels geboren. In meiner Kindheit besa\u00df ich alle Gewohnheiten der adligen Jugend, und ich teilte lange Zeit alle Klassen- und nationalen Vorurteile der Leute, in deren Kreis ich aufwuchs. Als ich jedoch das Alter der Selbsterkenntnis erreichte, [\u2026] sah ich, dass ein Mann des polnischen Adels, der in S\u00fcdrussland lebte, vor dem Gericht seines Gewissens nur zwei M\u00f6glichkeiten hatte. Die eine bestand darin, das Volk, in dessen Mitte er lebte, zu lieben, sich mit seinen Interessen zu identifizieren, zu der Nationalit\u00e4t zur\u00fcckzukehren, die seine Vorfahren einst aufgegeben hatten, und, soweit m\u00f6glich, durch unerm\u00fcdliche Arbeit und Liebe das Volk f\u00fcr das ihm angetane \u00dcbel zu entsch\u00e4digen. [\u2026] Die zweite Wahl f\u00fcr denjenigen, dem die moralische Kraft f\u00fcr die erste fehlte, bestand darin, in polnisches Gebiet auszuwandern, das vom polnischen Volk bewohnt wird, damit es einen Schmarotzer weniger gibt [\u2026]. Ich entschied mich nat\u00fcrlich f\u00fcr die erste [\u2026].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"\/><\/p>\n<div id=\"attachment_29079\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-29079\" class=\"wp-image-29079 size-full\" src=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Ukrainian_historian_Volodymyr_B._Antonovych_and_his_wife_Varvara_in_Ukrainian_folk_dresses._Between_1850_and_1860.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"1414\" srcset=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Ukrainian_historian_Volodymyr_B._Antonovych_and_his_wife_Varvara_in_Ukrainian_folk_dresses._Between_1850_and_1860.jpg 1024w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Ukrainian_historian_Volodymyr_B._Antonovych_and_his_wife_Varvara_in_Ukrainian_folk_dresses._Between_1850_and_1860-217x300.jpg 217w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Ukrainian_historian_Volodymyr_B._Antonovych_and_his_wife_Varvara_in_Ukrainian_folk_dresses._Between_1850_and_1860-742x1024.jpg 742w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Ukrainian_historian_Volodymyr_B._Antonovych_and_his_wife_Varvara_in_Ukrainian_folk_dresses._Between_1850_and_1860-768x1061.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-29079\" class=\"wp-caption-text\">Wolodymyr Antonowytsch und seine Frau Warwara in ukrainischer Volkstracht, zwischen 1850 und 1860. Bild \u00fcber <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Ukrainian_historian_Volodymyr_B._Antonovych_and_his_wife_Varvara_in_Ukrainian_folk_dresses._Between_1850_and_1860.jpg\">Wikimedia Commons<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr Antonowytsch war es also eine moralische Pflicht der ukrainischen Eliten, den Bauern und B\u00e4uerinnen zu dienen und ihre Kultur zu assimilieren. Sein Text zeugte von einer fast religi\u00f6s empfundenen nationalen Bekehrung \u2013 und tats\u00e4chlich konvertierte er vom Katholizismus zur Orthodoxie \u2013 sowie zu einem Evangelium der freiwillig gew\u00e4hlten Nationalit\u00e4t. Nachdem er aus politischen Gr\u00fcnden die ukrainische Nationalit\u00e4t angenommen hatte, lernte Antonowytsch die ukrainische Sprache und ermutigte andere ausdr\u00fccklich, dies ebenfalls zu tun. Einige seiner Student*innen und Freund*innen in den gebildeten Kreisen Kiyvs folgten seinem Weg. Zu den ukrainophilen Kreisen (Hromada) jener Zeit geh\u00f6rten viele russische Muttersprachler*innen, sowohl neu aus Russland angekommene als auch Nachkommen assimilierter einheimischer Familien, ebenso wie der j\u00fcdische Rechtsanwalt Vladimir (Wolodymyr) Berenshtam und der halbschweizerische \u00d6konom Mykola Ziber (Niclaus Sieber). Viele von ihnen beherrschten die ukrainische Sprache nie ganz, sprachen sie doch auffallend oft mit ukrainophilen Mitb\u00fcrger*innen und griffen bei komplizierteren Themen auf Russisch zur\u00fcck. Auch waren die Bedingungen f\u00fcr den Wechsel zu einer Sprache, die der russische Zarenstaat wiederholt aus der Presse und den Schulen verbannt hatte, nicht gerade g\u00fcnstig, so dass ihre Sprecher*innen den Ermittlungen der Beh\u00f6rden ausgesetzt waren.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Flexible Identit\u00e4t<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nat\u00fcrlich war auch der umgekehrte Weg m\u00f6glich, und viele sozial mobile Ukrainer*innen assimilierten sich an die russische imperiale Kultur. Einige wurden sogar zu Anf\u00fchrer*innen der aufkeimenden russischen Nationalbewegung. Eine solche bewusste Entscheidung f\u00fcr eine Nationalit\u00e4t war nicht nur in der Ukraine \u00fcblich. In B\u00f6hmen und M\u00e4hren zum Beispiel identifizierten sich einige Deutschsprachige auch als Tschech*innen und lernten die tschechische Sprache, um eindeutige Mitglieder der Nation zu werden (und umgekehrt). Aber in der Ukraine, wo die Sprache der Bauernschaft mit den dominierenden Kulturen der Nachbarl\u00e4nder Russland und Polen verwandt war und Russ*innen und Ukrainer*innen die orthodoxe Religion teilten, war die nationale Konversion und Assimilation in alle Richtungen einfacher als anderswo.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Ph\u00e4nomen war so allt\u00e4glich, dass es bemerkt und kommentiert wurde. Der polnische Literaturwissenschaftler Jerzy Stempowski, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Podolien aufwuchs, gab sp\u00e4ter den folgenden ironischen und zugleich scharfsinnigen Bericht \u00fcber die Nationalit\u00e4tenproblematik in seiner Jugend:\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"motto\"><span style=\"font-weight: 400;\">Die S\u00f6hne von Polen wurden manchmal zu Ukrainern, die S\u00f6hne von Deutschen und Franzosen zu Polen. [\u2026] \u201aWenn ein Pole eine russische Frau heiratet\u2018, pflegte mein Vater zu sagen, \u201adann sind die Kinder meist Ukrainer*innen oder Litauer*innen\u2018. [\u2026] In diesen Zeiten war die Nationalit\u00e4t kein unvermeidliches rassisches Schicksal, sondern weitgehend eine Frage der freien Wahl. Diese Wahl war nicht auf die Sprache beschr\u00e4nkt. [\u2026] jede Sprache war Tr\u00e4ger historischer, religi\u00f6ser und gesellschaftlicher Traditionen; jede bildete ein Ethos, das durch Jahrhunderte von Triumphen, Niederlagen, Tr\u00e4umen und Sophisterei gepr\u00e4gt war. <\/span><\/p>\n<h2>Von der erzwungenen Staatsangeh\u00f6rigkeit zur Staatsb\u00fcrgerschaft<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Zeitalter der Massenpolitik, insbesondere mit dem Beginn der Sowjetherrschaft, \u00e4nderte sich diese Situation grundlegend. Obwohl die Nationalit\u00e4t angeblich auf Klassenherrschaft beruhte, institutionalisierte der Sowjetstaat sie sowohl territorial, mit nationalen Republiken, als auch individuell, indem er die Nationalit\u00e4t zu einer unver\u00e4nderlichen und vererbbaren Kategorie machte, die in P\u00e4ssen fixiert wurde. Im Zeitalter des totalit\u00e4ren Anspruchs, urspr\u00fcngliche nationale Kollektive zu repr\u00e4sentieren, wurde die Nationalit\u00e4t in Stempowskis Worten zunehmend zu einem \u201aunvermeidlichen rassischen Schicksal\u2018. Anders als im neunzehnten Jahrhundert hatten die B\u00fcrger*innen eine offizielle Nationalit\u00e4t, die sie auch dann behielten, wenn sie sich einer anderen Sprache vollst\u00e4ndig anpassten. Millionen assimilierter Russischsprachiger in der Ukraine wurden vom Staat als Ukrainer*innen eingestuft, und viele von ihnen sahen sich auch als solche.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion schaffte die unabh\u00e4ngige Ukraine die Kategorie der Staatsangeh\u00f6rigkeit im Pass ab. Stattdessen erkannte der Staat nur noch die Staatsb\u00fcrgerschaft an, und das Verst\u00e4ndnis der Gesellschaft von der ukrainischen Nation ver\u00e4nderte sich in Richtung Staatsb\u00fcrgerschaft. Die ethnische Herkunft wurde zu einer weniger wichtigen Kategorie, da viele Menschen aus ethnisch russischen Familien sich entweder nicht mehr als Russ*innen identifizierten oder sich als russischsprachige B\u00fcrger*innen der Ukraine sahen. Soziologische Erhebungen zeigen, dass der Prozentsatz der Menschen, die sich in erster Linie als Ukrainer*innen identifizieren, von den 1990er bis in die 2010er Jahre stetig zunahm. Gleichzeitig haben die meisten russischsprachigen Ukrainer*innen ihre Sprachgewohnheiten nicht drastisch ge\u00e4ndert.<\/span><\/p>\n<h2>Mutwillige Bekehrung<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Euromaidan-Proteste von 2013-2014 und Russlands Aggression gegen die territoriale Integrit\u00e4t der Ukraine haben die Ukrainer*innen noch mehr hinter der Flagge versammelt. Angesichts einer existenziellen Bedrohung haben Millionen von Menschen mit unterschiedlichem ethnisch-linguistischem und religi\u00f6sem Hintergrund ihre Loyalit\u00e4t zur Ukraine erkl\u00e4rt, nicht zuletzt, weil sie diese als demokratischere und liberalere Alternative zu Putins \u201arussischer Welt\u2018 sehen. Ironischerweise ging der Wandel hin zu einer st\u00e4rker staatsb\u00fcrgerlich gepr\u00e4gten Auffassung der ukrainischen Nation mit einer Tendenz zur Einsprachigkeit einher. Wie im neunzehnten Jahrhundert sind einige Russischsprachige aus politischen Gr\u00fcnden bewusst zur ukrainischen Sprache gewechselt.\u00a0<\/span><\/p>\n<div style=\"width: 2058px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/7184120926_eb278b5d21_k.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1365\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Russisches Alphabet, verlassene Schule in Prypjat, Ukraine. Bild \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/mrpitman\/7184120926\/in\/photolist-bWQuRU-KLqEQH-ECQtJz-5BuSrd-2kBBw2k-2ob4EzQ-QUUQYz-4Zvjuh-U8mQm6-2h8aBZB-2ob8fDT-8jJNYd-z7uyFQ-z7Dv8i-f9ode6-2jgHSc4-zM26vT-siW6k7-otbizf-zM25ZH-2nb9xRi-KMTQM3-hydqpx-z7uVUG-zLV7vw-FeFGxQ-zLWDbL-aDH7JM-zLV8eq-8jFCSr-8jFHKV-zLWAKo-A5tv6M-27LLyr1-zWeRZf-6haonr-8jFEdM-zLV8Hb-8jJTWE-62D8k6-pEFKpy-duB9P3-doRbWi-zLWCFN-A3nUvs-8jFFPa-MkhY1f-ptPxSR-ebHZYx-8jFAa4\">Flickr<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit der Instrumentalisierung des Russischen durch das Putin-Regime und seiner fadenscheinigen Behauptung, die Rechte russischsprachiger Menschen auf der ganzen Welt zu verteidigen, als Rechtfertigung f\u00fcr seinen Krieg gegen die Ukraine. Mein Gastgeber in Kyivs charmantem Stadtteil Podil w\u00e4hrend meines letzten Besuchs im Jahr 2019, ein sechzigj\u00e4hriger Mann, der in einer russischsprachigen Familie aufgewachsen ist, war ein typisches Beispiel daf\u00fcr. Er w\u00fcrde kein Russisch mehr sprechen, erz\u00e4hlte er mir auf Ukrainisch mit einem erkennbaren russischen Akzent. Er f\u00fchlte sich fast k\u00f6rperlich nicht in der Lage, die gleichen W\u00f6rter zu benutzen wie Wladimir Putin.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein ber\u00fchmtes Beispiel ist Wolodymyr Zelens\u2019kyi, der ukrainische Pr\u00e4sident, der in einer russischsprachigen Familie aufwuchs und seine Karriere als Komiker auf Russisch machte. Inzwischen ist seine sprachliche Ukrainisierung so weit fortgeschritten, dass er manchmal \u2013 vielleicht auch nur zum Schein \u2013 <\/span><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HEn_52Cc6vE\"><span style=\"font-weight: 400;\">seine Mitarbeiter*innen bittet, ihm bei der \u00dcbersetzung eines Begriffs ins Russische zu helfen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, wenn er russischsprachigen Medien ein Interview gibt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr viele junge Ukrainer*innen ist die Entscheidung f\u00fcr den ukrainischen Staat und seine Sprache eine symbolische Absage an die politische L\u00e4hmung im postsowjetischen Raum. Die Autorin Sasha Dovzhyk beispielsweise hat k\u00fcrzlich beschrieben, wie sie von einer russischsprachigen Jugendlichen in der s\u00fcdukrainischen Stadt Saporischschja zu einer ukrainischsprachigen Intellektuellen wurde.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr Dovzhyk waren es die Euromaidan-Proteste, die sie mit dem Projekt einer demokratischen Zukunft der Ukraine verbanden, im Gegensatz zum homophoben Autoritarismus Russlands. Die Erfahrung einer m\u00e4chtigen antiautorit\u00e4ren Bewegung bot eine Perspektive auf das, was sie heute als eine Sprache der imperialen Unterdr\u00fcckung wahrnimmt: \u201aEine solche Sprache\u2018, <\/span><a href=\"https:\/\/newlinesmag.com\/first-person\/mother-tongue-the-story-of-a-ukrainian-language-convert\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">schreibt Dovzhyk<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, \u201averfeinert Schichtungen, entkr\u00e4ftet das Denken und l\u00e4sst einen schlie\u00dflich bei dem Gedanken erschaudern, seine Wut auf die H\u00f6hergestellten auszudr\u00fccken\u2018.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Nationalit\u00e4t vor Sprache<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nicht alle patriotischen Ukrainer*innen gehen in ihrer Ablehnung der russischen Sprache so weit wie Dovzhyk. F\u00fcr viele russischsprachige Menschen ist das Ukrainische nach wie vor eher ein symbolisches Zeichen ihrer Identit\u00e4t als ein regul\u00e4res Kommunikationsmittel. Untersuchungen von Soziolog*innen wie <\/span><a href=\"https:\/\/www.eurozine.com\/multi-ethnic-or-diverse\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Wolodymyr Kulyk<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> legen jedoch nahe, dass politisch motivierte Sprachwechsel in den \u00f6stlichen und s\u00fcdlichen Regionen der Ukraine inzwischen <\/span><a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2023\/apr\/24\/russian-speaking-ukrainians-want-to-shed-language-of-the-oppressor?fbclid=IwAR1ZJtJzEq5gtJKlhmg5LiqQDYD0BZ6aP_3bWvyIdnkuwY3q9oiA1gyza8A\"><span style=\"font-weight: 400;\">ein weit verbreitetes Ph\u00e4nomen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> sind. Nat\u00fcrlich sollten Erkl\u00e4rungen, Ukrainisch sei entweder eine \u201aMuttersprache\u2018 oder eine \u201aGef\u00e4lligkeitssprache\u2018, nicht immer f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen werden. In Anbetracht der gegenw\u00e4rtigen Situation geben manche vielleicht vor, mehr Ukrainisch zu sprechen, als sie es tats\u00e4chlich tun, weil sie es f\u00fcr politisch angemessen halten. Die weit verbreitete Zweisprachigkeit in der ukrainischen Gesellschaft erm\u00f6glicht es jedoch vielen Ukrainer*innen, relativ leicht zwischen den Sprachen zu wechseln, auch wenn ihr Ukrainisch gelegentlich noch russische W\u00f6rter oder Abwandlungen russischer Ausdr\u00fccke enth\u00e4lt. Selbst einsprachige Russischsprachige im Land sind mit dem Ukrainischen vertraut, da sie h\u00e4ufig mit dieser Sprache in Ber\u00fchrung kommen, sei es im Fernsehen oder bei Begegnungen mit ukrainischsprachigen Nachbar*innen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als Wladimir Putin sich aufmachte, die russischsprachigen Ukrainer*innen zu \u201abefreien\u2018, hat er ihre Priorit\u00e4ten v\u00f6llig missverstanden. Die meisten waren loyale B\u00fcrger*innen der demokratischen Ukraine und hatten wenig Interesse daran, Untertanen von Putins kleptokratischer Diktatur zu werden. F\u00fcr viele war dies sogar wichtiger als die Beibehaltung ihrer Muttersprache. Die Zukunft der russischen Sprache in der Ukraine ist daher unklar. Millionen von Ukrainer*innen werden wahrscheinlich zumindest in einigen Situationen weiterhin Russisch verwenden und gleichzeitig loyale B\u00fcrger*innen des ukrainischen Staates bleiben. Viele von ihnen werden jedoch froh dar\u00fcber sein, dass ihre Kinder nur auf Ukrainisch unterrichtet werden. Daher ist es wahrscheinlich, dass die j\u00fcngeren Ukrainer*innen, die Russisch immer stark mit dem kriminellen Putin-Regime in Verbindung bringen werden, die am meisten Ukrainisch sprechende Generation in der modernen Geschichte der Ukraine werden. F\u00fcr sie wird es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein, Ukrainer*in zu sein und Ukrainisch zu sprechen. Bis auf Weiteres werden die ukrainische Identit\u00e4t und die ukrainische Sprache jedoch wie im neunzehnten Jahrhundert ganz bewusst gew\u00e4hlt werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-weight: 400;\">Dieser Artikel <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">wurde im Rahmen des Jugendprojekts <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Vom Wissen der Jungen. Wissenschaftskommunikation mit jungen Erwachsenen in Kriegszeiten<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> ver\u00f6ffentlicht, gef\u00f6rdert von der Kulturabteilung der Stadt Wien<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">. <\/span><\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n<p>[ad_2]<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/www.eurozine.com\/die-wahl-der-ukrainischen-sprache-damals-und-heute\/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=die-wahl-der-ukrainischen-sprache-damals-und-heute\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[ad_1] Im neunzehnten Jahrhundert war es oft eine Frage der Wahl, Ukrainer*in zu sein. Die ukrainische Stadtbev\u00f6lkerung sprach in der Regel andere Sprachen als Ukrainisch:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":207510,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"footnotes":""},"categories":[154],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207509"}],"collection":[{"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=207509"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207509\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":342670,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207509\/revisions\/342670"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/207510"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=207509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=207509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=207509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}