{"id":206895,"date":"2024-02-22T20:54:15","date_gmt":"2024-02-22T20:54:15","guid":{"rendered":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/2024\/02\/22\/vom-blauen-zum-weisen-kragen\/"},"modified":"2025-06-25T17:21:44","modified_gmt":"2025-06-25T17:21:44","slug":"vom-blauen-zum-weisen-kragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/2024\/02\/22\/vom-blauen-zum-weisen-kragen\/","title":{"rendered":"Vom blauen zum wei\u00dfen Kragen"},"content":{"rendered":"<p> [ad_1]<br \/>\n<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">\u201aEines Tages erschien in einem Dorf mitten in Polen ein Werbeplakat f\u00fcr den \u201eVorbereitungskurs\u201c, ein beschleunigtes Ausbildungsprogramm f\u00fcr die Universit\u00e4t. Darauf wurde Pokusa \u2013 ein Nachname, der \u201eVerlockung\u201c bedeutet \u2013 als der Erste vorgestellt, der sich eingeschrieben hatte: Er wurde angenommen, nachdem er eine Pr\u00fcfung bestanden hatte. Jetzt ist er einer der besten Studenten! \u201eMan muss es nur wollen\u201c, erkl\u00e4rt er.\u2018<\/span><span style=\"font-weight: 400\"><code>\"Dzielni w pracy i nauce\", <i>Dziennik \u0141\u00f3dzki<\/i>, 3. Februar 1951, S. 4.<\/code>So warb eine Lokalzeitung 1953 bei den jungen Menschen in l\u00e4ndlichen Gebieten f\u00fcr ein Studium an der Universit\u00e4t von \u0141\u00f3d\u017a, einer 1945 in Polens gr\u00f6\u00dfter Industriestadt gegr\u00fcndeten sozialistischen Musteruniversit\u00e4t. Dem Plakat zufolge erhielt Herr Verlockung ein Stipendium, das Gesundheitsf\u00fcrsorge, ein Bett im Studentenwohnheim und subventionierten Mahlzeiten umfasste. Nach dem Studium erwartete ihn eine staatlich garantierte Stelle. Doch daf\u00fcr musste er den Abschluss erst einmal schaffen, denn Arbeiterkinder brachen die Kurse h\u00e4ufiger ab als Akademikerkinder und wurden von Altersgenossen oft als \u201eP\u00f6bel\u201c verachtet.<\/span><\/p>\n<h2>Eine Politik f\u00fcr die Benachteiligten<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Trotz struktureller Hindernisse und allt\u00e4glichem Klassismus in Polen verk\u00f6rperte Herr Verlockung ein hohes Ziel des Staatssozialismus: Aufstiegsm\u00f6glichkeiten, wie es sie nie zuvor gegeben hatte. Im Diskurs \u00fcber das Bildungswesen unter Stalin wird oft angeprangert, dass die damalige akademische Welt gefangen gehalten wurde und Studenten eher durch Propaganda verf\u00fchrt wurden, als dass sie einen besseren sozio\u00f6konomischen Status und Gleichheit im Sinne hatten.<\/span><span style=\"font-weight: 400\"><code>J. Connelly, <i>Captive University<\/i>, The University of North Carolina Press, 2000.<\/code>Im Sozialismus nach dem Zweiten Weltkrieg meinte \u201eDemokratisierung\u201c jedoch eher Gleichberechtigung, als die direkte Volksherrschaft. Die Sozialstruktur der Studierenden sollte die Sozialstruktur der gesamten Gesellschaft widerspiegeln \u2013 ein Versuch, nicht nur die Elite, sondern auch das Bildungsb\u00fcrgertum in der neuen Gesellschaft zu erneuern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">In den Sowjetrepubliken der Nachkriegszeit wurde Bildung \u201eparametrisiert\u201c, d. h. sie sollte mess- und z\u00e4hlbar sein. Die Universit\u00e4ten waren zur Einhaltung bestimmter Studenten- und Absolventenquoten verpflichtet, die vom Bedarf der Planwirtschaft abhingen. Kurse wurden obligatorisch und im Gegensatz zur sogenannten \u201earistokratischen Art, zu studieren\u201c wurde dem Tenor der Fabrikarbeit gefolgt: Das Studium sollte t\u00e4glich fast acht Stunden in Anspruch nehmen, einen Appell beinhalten und auf Effizienz gepr\u00fcft werden. Die ersten drei Jahre bereiteten die Studenten auf praktische Aufgaben vor. Ein zus\u00e4tzlicher zweij\u00e4hriger Magister vertiefte die F\u00e4higkeiten und Praktika f\u00f6rderten den Kontakt zwischen Studenten und k\u00fcnftigen Arbeitspl\u00e4tzen. Die Universit\u00e4ten wurden Teil eines Produktionsprozesses, der Ausbildung qualifizierter Fachkr\u00e4fte. Das Studium der Geisteswissenschaften sollte k\u00fcnftige Lehrer und B\u00fcroangestellte hervorbringen. Die Zensur wurde versch\u00e4rft, die internationale Zusammenarbeit streng kontrolliert und viele Disziplinen wie die Soziologie als \u201eb\u00fcrgerlich\u201c abgestempelt und abgeschafft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Diese Bildungsreform beeintr\u00e4chtigte die Autonomie der Hochschulen, doch der Sozialismus er\u00f6ffnete auch Millionen von Menschen neue Aufstiegsm\u00f6glichkeiten. Die polnischen Reformer sahen vor, bis zu 80 % eines jeden Abiturjahrgangs das Studium zu erm\u00f6glichen. Einschreiberegularien, Punkte f\u00fcr die Herkunft aus der Arbeiterklasse, Vorbereitungskurse und Lerngruppen sollten die in der Geschichte stets Benachteiligten beg\u00fcnstigen und die Vision einer sozialistischen Universit\u00e4t Wirklichkeit werden lassen.<\/span><\/p>\n<h2>Die \u00d6ffnung des Hochschulsystems<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Demokratisierung der Universit\u00e4ten und die Verbindung von Hochschulbildung und Wirtschaft sind zu einem globalen Ph\u00e4nomen geworden. Praktika an k\u00fcnftigen Arbeitspl\u00e4tzen und Bem\u00fchungen, die in der Wirtschaft ben\u00f6tigten Fachkr\u00e4fte auszubilden, erscheinen heute sogar eher als kapitalistische denn als sozialistische L\u00f6sungen. Zwar wird die sozialistische Bildung in der Regel als eine unflexible, staatlich kontrollierte und stark zensierte Institution an, diese Aspekte waren jedoch nicht der Kern des Nachkriegsmodells. Zentrale Planung, staatliche Verwaltung und politische Kontrolle der \u00f6ffentlichen Einrichtungen waren direkter, strenger und vorbestimmter als im Westen \u2013 doch die Ziele der sozialistischen Reform waren ein gleicher Zugang zu Bildung sowie die daraus resultierenden Vorteile f\u00fcr die Allgemeinheit. Aufgrund dieser Werte, dieser Vision einer zuk\u00fcnftigen Gesellschaft und der anvisierten Rolle der Universit\u00e4t in dieser Gesellschaft war das sozialistische Hochschulmodell eine Alternative zum kapitalistischen. Bezeichnend f\u00fcr das sozialistische Universit\u00e4tsmodell waren politische Reden und diskursive Pressetexte, die sich f\u00fcr einen offeneren Zugang zu den Universit\u00e4ten einsetzten und ihre Rolle in der breiteren Gesellschaft betonten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Herr Verlockung nutzte wohl das \u201eVorbereitungsjahr\u201c, um seine durch den Krieg vertieften Wissensl\u00fccken zu schlie\u00dfen. Studienanw\u00e4rter, die vom Land und\/oder aus der Arbeiterklasse kamen, mussten nur sieben Schuljahre absolviert haben. Weitere Gesetze sahen eine bezahlte Freistellung \u00fcber die Dauer des Studiums vor, um Berufst\u00e4tige zum Studieren zu bewegen. Au\u00dferdem reservierte der Staat einen gro\u00dfen Anteil an Studienpl\u00e4tzen f\u00fcr die Absolventen der Vorbereitungskurse.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Zwischen 1946 und 1958 schrieben sich 22.000 Personen in \u0141\u00f3d\u017a und Warschau f\u00fcr ein Studium ein. Davon schlossen allerdings nur 14.850 ihr Studium ab, und weniger als 32 % erwarben ein weiteres Hochschuldiplom. Letztere waren meist Parteiaktivisten, die sich nur aufgrund der Ermutigung der Kommunistischen Partei weitergebildet hatten. Trotz dieser Ergebnisse stellten die Vorbereitungskurse ein radikales und von Grund auf neues Projekt f\u00fcr sozialen Wandel dar. Konservative Teile der akademischen Gemeinschaft und der Beh\u00f6rden betrachteten die Initiative von Anfang an mit gro\u00dfer Skepsis und viele Studenten sahen in den Teilnehmern der Vorbereitungskurse bedrohliche Neulinge, die aufgrund ihrer politischen Verbindungen in die Universit\u00e4t eindringen wollten. Ihre Anwesenheit hatte jedoch kaum Auswirkungen auf das soziale Profil der Studenten im Allgemeinen, da es nur wenige von ihnen gab und sie das Studium h\u00e4ufig abbrachen.<\/span><\/p>\n<h2>Die entt\u00e4uschten Pioniere des Fortschritts<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Obwohl die erste Phase des Wiederaufbaus nach dem Krieg erhebliche Fortschritte f\u00fcr die Bildungsentwicklung brachte, zeigen die weiteren biografischen Verl\u00e4ufe der Studienkohorten nur wenig langfristige Ver\u00e4nderung. Die egalit\u00e4re Einbeziehung von Sch\u00fclern unterschiedlicher sozialer Herkunft \u2013 ein Indikator f\u00fcr die Demokratisierung der Bildung \u2013 erwies sich als nur vor\u00fcbergehend. Die st\u00e4rkste Repr\u00e4sentation wurde in der ersten H\u00e4lfte der 1950er Jahre erreicht. In diesem Zeitraum geh\u00f6rten fast 50% aller Studenten der Arbeiterklasse an. Gleiches galt f\u00fcr die Frauen. Die stalinistische Nachkriegszeit brachte in Polen Bildungsfortschritte f\u00fcr die Arbeiterklasse mit sich, w\u00e4hrend die Tauwetterperiode eine R\u00fcckkehr zu traditionelleren Werten bedeutete, sowohl auf der Geschlechter- als auch der Klassenebene. Die Mechanismen der sozialen Normen konnten wieder frei wirken, ungehindert von staatlichen Reformen.<\/span><\/p>\n<div style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/fortepan_120115-1024x669.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"669\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Universit\u00e4tsstudenten, Pozna\u0144, Polen, 1947. Bild mit freundlicher Genehmigung von Bogdan Celichowski via Fortepan<\/p>\n<\/div>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die erste Welle an Nachkriegsstudenten profitierte noch von umfangreichen Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten, bei der zweiten und dritten Welle schrumpften die Optionen bereits. Die staatliche Unterst\u00fctzung gab ihnen Arbeitspl\u00e4tze, die weit von ihren Traumjobs entfernt waren. Das Tauwetter nach Stalin untergrub au\u00dferdem den Glauben der Studenten an den Sozialismus. Die Desillusionierung breitete sich aus und Ideen, die ihnen fr\u00fcher eingetrichtert wurden, begannen hohl zu klingen. Ein Teilnehmer des Vorbereitungskurses erinnert sich an die Entt\u00e4uschung: \u201eDamals sagte man uns, wir w\u00e4ren Pioniere des Fortschritts, der Bildung und neuer Ideen&#8230; Und das wollte ich auch sein!\u201c Am bittersten wurden diejenigen entt\u00e4uscht, die beim Verfolgen ihres sozialistischen Traumes am meisten zu verlieren hatten. Die j\u00e4hrliche Quote der Abiturienten, die ein Studium aufnahmen, war von 4-5 % vor dem Krieg auf 40 % in den 1970er Jahren angestiegen. Doch je nach Studiengang brachen 20-60 % noch im ersten Jahr das Studium ab, viele davon aus der Arbeiterklasse.<\/span><\/p>\n<h2>Die H\u00fcrden des Aufstiegs<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Den Studienanf\u00e4ngern im neuen Hochschulsystem erschwerten verschiedene Dinge den Weg. Um diese Hindernisse zu verstehen, muss man jedoch zun\u00e4chst die Entwicklung der polnischen Hochschulbildung nach dem Zweiten Weltkrieg kontextualisieren. Nach 1945 wurden die Lehrpl\u00e4ne geringf\u00fcgig ge\u00e4ndert, man nahm z. B. die Geschichte des Zweiten Weltkriegs sowie eine Pflichtfremdsprache auf. 1948 wurde mit dem neuen staatssozialistischen Lehrplan das zuvor obligatorische Fach Religion aus dem Lehrplan gestrichen und Russisch wurde verpflichtend. Die Grundschule umfasste weiterhin sieben Stufen (7-14 Jahre) und die Zahl der Schulen wurde verdoppelt. Da Berufsausbildungen beliebter waren als das weiterf\u00fchrende Lyzeum, stieg auch die Zahl der Berufsschulen. Diese boten auch Weiterbildungen f\u00fcr Facharbeiter an, die einige Monate bis zwei Jahre dauerten. 1956 erh\u00f6hte man die Schulpflicht auf das Alter von 16 Jahren und f\u00fchrte Religion wieder ein, allerdings nur als au\u00dferschulischen Unterricht. Von 1959 bis 1965 wurden dank des Projektes \u201aTausend Schulen zur Tausendjahrfeier des polnischen Staates\u2018 \u00fcber 1.200 Schulen gebaut. Zuf\u00e4lligerweise waren dies auch die Jahre, in denen die Babyboomer der Nachkriegszeit eingeschult wurden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Um mehr junge Menschen aus der Arbeiterklasse und dem l\u00e4ndlichen Raum in die H\u00f6rs\u00e4le zu bekommen, musste in einer fr\u00fcheren Bildungsphase angesetzt werden. Nach der Grundschule standen die Sch\u00fcler vor der wichtigen Entscheidung \u00fcber ihren weiteren Bildungsweg: Lyzeum, Berufs- oder Fachoberschule. Die Chancen auf Bildung verbesserten sich w\u00e4hrend der Zeit des Staatssozialismus immer weiter, allerdings nur bis zur Sekundarstufe. Danach vergr\u00f6\u00dferten sich die H\u00fcrden eines gleichen Zugangs f\u00fcr alle. Von den Sch\u00fclern, die zwischen 1957 und 1960 ihren Schulabschluss machten, wurden nur 10-13 % an Universit\u00e4ten angenommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">In den 1960er Jahren bestanden zwischen Stadt- und Landbev\u00f6lkerung sowie den verschiedenen polnischen Regionen weiterhin erhebliche Unterschiede im Zugang zur Bildung und somit auch in den Lebenswegen. Die h\u00f6chste Abbrecherquote bestand bei M\u00e4dchen aus l\u00e4ndlichen Gebieten, die nicht nur mit weiten Wegen, sondern oft auch mit den sozialen Erwartungen ihrer Familie und Gemeinschaft zu k\u00e4mpfen hatten. Noch in der Mitte der 1960er Jahre besuchten weniger M\u00e4dchen als Jungen eine weiterf\u00fchrende Schule. Neben der Aussicht, auf dem elterlichen Hof zu arbeiten, galten traditionelle Frauenberufe wie Haushaltshilfe oder Kinderbetreuung noch immer als gangbare Alternative zur Bildung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">W\u00e4hrend die leistungsst\u00e4rksten Sch\u00fcler zum Lyzeum gingen, war f\u00fcr viele andere die Berufsschule die erste und sicherste Wahl. Das Aufnahmeverfahren war hier weniger streng als an den Hochschulen, was Sch\u00fcler mit weniger guten Noten anzog oder solche, die schnellstm\u00f6glich eine Arbeit aufnehmen mussten. Nach 1945 w\u00e4hlten Sch\u00fcler aus nicht wohlhabendem Hause fast ausschlie\u00dflich Berufsschulen, sodass die Anmeldezahlen von 2.552 im Jahr 1952 auf 8.780 im Jahr 1965 stiegen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Da einige Kinder der Nachkriegsgeneration lediglich die Grundschule besucht hatten, gelang ihnen der Aufstieg nicht durch Hochschul-, sondern durch Sekundarbildung, genauer gesagt durch die Berufsschulen. Diese wurden zum ersten Mittel des Aufstiegs der Arbeiterklasse. Bis in die 1970er Jahre kamen 45 % der polnischen Industriearbeiterschaft von Berufsschulen.<\/span><\/p>\n<h2>Die gesellschaftlichen Erwartungen<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Zahlreiche soziologische Untersuchungen aus dieser Zeit geben Einblicke in die Ver\u00e4nderungen der Sozialstruktur, der Bildungsbestrebungen und der beruflichen Erwartungen.<\/span><span style=\"font-weight: 400\"><code>Darunter Forschungen zur Sozialstruktur und sozialer Reproduktion, von Soziologen wie Jan Szczepa\u0144ski, Ireneusz Bia\u0142eceki, W\u0142odziemierz Weso\u0142owski, Henryk Doma\u0144ski, El\u017cbieta Wnuk-Lipi\u0144ska, Halina Najduchowska und Kazimierz S\u0142omczy\u0144ski.<\/code> W\u00e4hrend Familien aus unteren Schichten in erster Linie den Wunsch hatten, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu erm\u00f6glichen und ihnen zu helfen, ihrer Herkunftsschicht zu \u201eentkommen\u201c, legten Akademiker-Eltern die Messlatte viel h\u00f6her. Sie wollten ihren Kindern eine wissenschaftliche Karriere erm\u00f6glichen und sahen einen akademischen Posten als Kr\u00f6nung des Erfolgs an. Studien \u00fcber die Bildungsbestrebungen der sp\u00e4ten 1970er Jahre zeigen, dass die Intelligenzija ihre Kinder mit allen Mitteln bilden wollte, unabh\u00e4ngig von ihren Talenten oder den materiellen Ressourcen der Familie.<\/span><span style=\"font-weight: 400\"><code>E. Wnuk-Lipi\u0144ska, \"Wykszta\u0142cenie: cel czy \u015brodek\", in: <i>Studenci w Polsce i w Niemieckiej Republice Demokratycznej w \u015bwietle bada\u0144 socjologicznych<\/i>, H. Najduchowska (Hrsg.), PWN, 1987, S. 23.<\/code> Gleichzeitig waren die jungen Leute aus der Bildungselite st\u00e4rker motiviert, ein Studium aufzunehmen. Sie wollten nicht nur den sozialen Status ihrer Eltern beibehalten, sondern sich auch wirtschaftliches und kulturelles Kapital sichern. Akademikerkinder waren gewisserma\u00dfen gezwungen, ein Studium aufzunehmen, konnten dies aber ohne psychologische R\u00fcckschl\u00e4ge oder Probleme mit dem Selbstvertrauen tun.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Den Familien der Arbeiterklasse gen\u00fcgte es, durch Bildung harte k\u00f6rperliche Arbeit zu verhindern und den Aufstieg in eine Angestelltenposition zu erm\u00f6glichen. F\u00fcr sie war es nicht notwendig, weitere wissenschaftliche Ambitionen zu verfolgen. Diese konnten, wenn sie denn existierten, in der Freizeit und nicht im Rahmen der beruflichen Entwicklung verwirklicht werden. Einige wenige hatten den Ehrgeiz, ihre Kinder \u201evom Bauern zum Gentleman\u201c zu erziehen. Eine ebenso kleine Gruppe wollte daf\u00fcr sorgen, dass ihre Kinder Ingenieure werden, die sich dem Aufbau des Sozialismus verschrieben hatten. Die meisten wollten ihre Nachkommen jedoch lediglich vor der Arbeit auf dem Feld oder der Monotonie des Flie\u00dfbandes bewahren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Das sozialistische Wirtschaftsmodell ben\u00f6tigte gering qualifizierte Arbeiter und Techniker mit einer Ausbildung auf Sekundarschulniveau. Die Gehaltsunterschiede zwischen Hochschulabsolventen und Nicht-Absolventen waren vernachl\u00e4ssigbar und das Prestige der technischen Berufe nahm zu, sodass die Entscheidung f\u00fcr ein Hochschulstudium f\u00fcr Arbeiterkinder nicht selbstverst\u00e4ndlich war. In den 1960er Jahren hing in Polen das Einkommen eher von der Art der Arbeit ab und nicht von der Ausbildung. W\u00e4hrend f\u00fcr Akademikerkinder ein Weg ohne h\u00f6here Bildung und akademischen Posten einen R\u00fcckschritt und ein Scheitern bedeutete, sahen Arbeiterfamilien eine Berufsausbildung als Fortschritt an. In den meisten F\u00e4llen blieb der gesellschaftliche Status quo unver\u00e4ndert: Tausende von Arbeiterkindern arbeiteten in den 1960er Jahren in denselben Fabriken, in denen ihre Eltern gearbeitet hatten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Universit\u00e4ten hatten zwar den Anspruch, Menschen auszubilden, die im polnischen Kultur- und im Politiksektor wirken w\u00fcrden. Doch auf praktischer Ebene war das gesamte Bildungssystem darauf ausgerichtet, Fachleute f\u00fcr die Industrie auszubilden: Chemiker, Mechaniker und Techniker. Die neue Bildungselite wurde an der Universit\u00e4t ausgebildet, w\u00e4hrend neue Facharbeiter ihre Ausbildung an Berufs-, technischen Schulen, oder Fachschulen f\u00fcr F\u00e4cher wie Wirtschaft und P\u00e4dagogik erwarben. Alles in allem wurden die Universit\u00e4ten nicht zum zentralen Element der Bildungsrevolution und der allt\u00e4gliche Klassismus, die Ineffizienz des Systems und die traditionellen Klassenunterschiede blieben bei Professoren und Studenten stark ausgepr\u00e4gt. Die Berufs- und Fachschulen ver\u00e4nderten mehr als die Universit\u00e4ten.<\/span><\/p>\n<h2>Das Ideal der Alma Mater<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Obwohl Aufstieg nur in den \u00e4u\u00dferen Teilen der polnischen Gesellschaft stattfand \u2013 bei der Bildungselite und den ungelernten Arbeitern (die auf der untersten Stufe begonnen hatten) \u2013 blieb die Universit\u00e4t ein Symbol der offenen M\u00f6glichkeiten. Im Jahr 1957, als noch ein Drittel der polnischen Bev\u00f6lkerung nicht lesen und schreiben konnte und 7 % der Erwachsenen nie eine Schule besucht hatten, machte eine neue Generation ihre Abschl\u00fcsse an den Universit\u00e4ten. Vor 1989 erreichte die Zahl der Absolventen landesweit fast zwei Millionen. Alle folgenden Generationen in der Volksrepublik Polen hatten eine gr\u00f6\u00dfere Chance auf h\u00f6here Bildung, wodurch sich Bildungsnachteile verringerten. Dennoch entschied sich nur sehr wenige Sch\u00fcler nach ihrem Abschluss f\u00fcr eine akademische Laufbahn \u2013 eine Tatsache, die letztlich die Grenzen des sozialen Wandels der Nachkriegszeit aufzeigt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Herr Verlockung hat wahrscheinlich seinen Universit\u00e4tsabschluss gemacht, bekam einen festen Arbeitsplatz in einer Fabrik und eine kleine Wohnung in einem der neu errichteten Wohnbl\u00f6cke der Stadt. Seine geimpften Kinder besuchten sicher einen nahe gelegenen Kindergarten und sp\u00e4ter eine Grundschule, die zur Tausendjahrfeier des polnischen Staates im Jahr 1966 gebaut wurde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit konnten sie auch ein Lyzeum besuchen und schlie\u00dflich einen Hochschulabschluss erlangen. Herr Verlockung ging wohl in den 1980er Jahren in den Ruhestand und erhielt seine staatlich garantierte Rente, als der Sozialismus gerade am Zerbr\u00f6ckeln war. Dieses Bild k\u00f6nnte man leicht als post-sozialistische Nostalgie abtun, aber es ist ebenso verlockend, in diesen Wahrscheinlichkeiten zu denken.<\/span><\/p>\n<p>[ad_2]<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/www.eurozine.com\/vom-blauen-zum-weisen-kragen\/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=vom-blauen-zum-weisen-kragen\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[ad_1] \u201aEines Tages erschien in einem Dorf mitten in Polen ein Werbeplakat f\u00fcr den \u201eVorbereitungskurs\u201c, ein beschleunigtes Ausbildungsprogramm f\u00fcr die Universit\u00e4t. 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