{"id":206787,"date":"2024-02-22T19:51:04","date_gmt":"2024-02-22T19:51:04","guid":{"rendered":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/2024\/02\/22\/frauen-unter-der-fahne-der-freundschaft\/"},"modified":"2025-06-25T17:21:45","modified_gmt":"2025-06-25T17:21:45","slug":"frauen-unter-der-fahne-der-freundschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michigandigitalnews.com\/index.php\/2024\/02\/22\/frauen-unter-der-fahne-der-freundschaft\/","title":{"rendered":"Frauen unter der Fahne der Freundschaft"},"content":{"rendered":"<p> [ad_1]<br \/>\n<\/p>\n<div id=\"main-text\">\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Konzept der Freundschaft spielte bei der Schaffung einer neuen Weltordnung inmitten der Wiederaufbaubem\u00fchungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle. In L\u00e4ndern wie Ungarn wurden gerade zu dem Zeitpunkt, als die Kommunistische Partei aus der Illegalit\u00e4t der Zwischenkriegszeit wieder auftauchte, neue Organisationen wie der Ungarische Demokratische Frauenbund (Magyar N\u0151k Demokratikus Sz\u00f6vets\u00e9ge, MNDSz) gegr\u00fcndet. Als Dachverband umfasste der MNDSz Frauen aus einem breiten gesellschaftlichen Spektrum: Gef\u00f6rdert wurden von der F\u00f6deration \u201aunabh\u00e4ngig von sozialem Status, Parteizugeh\u00f6rigkeit, Beruf, Religion, alle Frauen und M\u00e4dchen, die ihr Land lieben und arbeiten wollen\u2018. Die wichtigste Bedingung: Engagement gegen den Faschismus.<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">Der <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Aufbau einer solchen neuen lokalen Organisation aus dem Nichts brachte Frauen zusammen, die sich vorher nicht oder nur fl\u00fcchtig kannten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Schon bald nach seiner Gr\u00fcndung schloss sich der MNDSz der Women\u2019s International Democratic Federation (WIDF) an und wurde damit zum wichtigsten Vektor f\u00fcr den Zugang ungarischer Frauen zur internationalen Politik und zu internationalen Verbindungen. Die Mitgliedschaft in der WIDF erm\u00f6glichte es, Frauen \u201aaus der weiten Welt\u2018 kennen zu lernen.<\/span><b> <\/b><span style=\"font-weight: 400;\">Die Beziehungen innerhalb der Organisation, auf lokaler und internationaler Ebene, wurden oft als Freundschaft, und zwar als Frauenfreundschaft, bezeichnet. In den meisten Sprachen, die von den Frauen des neu geschaffenen sozialistischen Blocks innerhalb der WIDF gesprochen wurden, gab es einen spezifischen Begriff f\u00fcr weibliche Freunde: Freundin auf Deutsch, bar\u00e1tn\u0151 auf Ungarisch, prijateljica auf Kroatisch (und BKS), \u043f\u043e\u0434\u0440\u0443\u0433\u0430 auf Ukrainisch, um nur einige zu nennen. Der geschlechtsspezifische Aspekt ist hier von entscheidender Bedeutung: Freundinnen teilen nicht nur Solidarit\u00e4t und Kameradschaft, die Gegenseitigkeit (ein weiteres Schl\u00fcsselelement der Freundschaft) beinhaltet auch das Teilen intimer und privater Details aus dem eigenen Leben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dieser private Aspekt der Frauenfreundschaft erhielt im Rahmen der Leitmetapher der sowjetischen Lokalpolitik eine neue Bedeutung: Stalins \u201aV\u00f6lkerfreundschaft\u2018. Die Kampagne f\u00fcr die UdSSR begann im Jahr 1935 und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg schrittweise in Ostmitteleuropa \u00fcbernommen.<\/span><b> <\/b><span style=\"font-weight: 400;\">Der Begriff wurde zun\u00e4chst verwendet, um Russland in seinen Beziehungen zu anderen Sowjetrepubliken, insbesondere in Zentralasien, ein neues Image zu verleihen und die Erinnerung an fr\u00fchere imperiale Praktiken zu vertreiben. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgte man in Ostmitteleuropa einen \u00e4hnlichen Zweck, indem man das Bild der Sowjetunion nicht nur als Befreier, sondern auch als Supermacht aufrechterhielt, zu der die kleinen L\u00e4nder der Region ein von Gegenseitigkeit und sogar Gleichberechtigung gepr\u00e4gtes Verh\u00e4ltnis hatten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Historikerin Rachel Applebaum bezeichnet die Kampagne als ein \u201aMachtexperiment der anderen Art\u2018. Sie hebt die vorgeschriebene Rolle der \u201atransnationalen Freundschaft zur Schaffung einer zusammenh\u00e4ngenden sozialistischen Welt\u2018 hervor, die \u201adie B\u00fcrger der Supermacht und ihrer Satelliten in einem Imperium von Freund*innen verband, das bis zum Fall der Berliner Mauer andauerte\u2018.<\/span><b> <\/b><span style=\"font-weight: 400;\">Kultureller Austausch, wirtschaftlicher Handel und Sportdiplomatie waren ebenso wichtig wie die zwischenmenschlichen Verbindungen, die durch internationale Organisationen hergestellt wurden. Die WIDF und der MNDSz spielten eine wichtige Rolle bei der gemeinsamen Schaffung dieses internationalen Zusammenhalts und sicherten gleichzeitig die weibliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die kommunistische Partei im Inland.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_30536\" style=\"width: 1610px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-30536\" class=\"wp-image-30536 size-full\" src=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/fortepan_142714.jpg\" alt=\"fortepan_142714Fortepan \/ Chuckyeager tumblr\" width=\"1600\" height=\"1066\" srcset=\"https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/fortepan_142714.jpg 1600w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/fortepan_142714-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/fortepan_142714-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/fortepan_142714-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.eurozine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/fortepan_142714-1536x1023.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1600px) 100vw, 1600px\"\/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-30536\" class=\"wp-caption-text\">\u00a0Magyar N\u0151k Demokratikus Sz\u00f6vets\u00e9ge w\u00e4hrend einer Demonstration zum 1. Mai. Bild von Chuckyeager tumblr <a href=\"https:\/\/fortepan.hu\/hu\/photos\/?q=Magyar%20N%C5%91k%20Demokratikus%20Sz%C3%B6vets%C3%A9ge\">via Fortepan<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<h2>Globaler Sozialismus<\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Frauen aus der illegalen kommunistischen Bewegung und der frisch gegr\u00fcndeten Kommunistischen Partei Ungarns besetzten die wichtigsten Positionen des MNDSz. Ihre \u201ageheime\u2018 Mission bestand darin, bei den Wahlen im November 1945 so viele Frauen wie m\u00f6glich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Kommunistischen Partei zu rekrutieren. Die beiden Frauen mit dem umfassendsten Programm waren zwei Intellektuelle, die bereits in der Zwischenkriegszeit aktiv gewesen waren: Boris F\u00e1i (Boris war ein Spitzname f\u00fcr Borb\u00e1la, die Entsprechung des griechischen Namens Barbara \u2013 ein ungarischer, weiblicher Vorname. Boris wird mit einem Sch-Laut am Ende ausgesprochen) und Magda Aranyossi. Beide waren w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs illegale Kommunistinnen und engagierte Antifaschistinnen, die Jahre im Exil verbrachten und von der Polizei des mit den Nazis verb\u00fcndeten, von Horthy regierten Ungarn inhaftiert wurden. F\u00e1i wurde in der Haft geschlagen und gefoltert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Innerhalb des MNDSz arbeiteten die beiden Frauen an einer neuen Agenda f\u00fcr Frauenrechte und die Beteiligung von Frauen an der Politik und organisierten nach dem Krieg im ganzen Land den Wiederaufbau. Sie konzentrierten sich auf Frauen und Kinder, insbesondere auf die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und die medizinische Grundversorgung f\u00fcr unterern\u00e4hrte und kranke Kinder. Sie arbeiteten mit Frauen aus allen Gesellschaftsschichten zusammen. Diesen Frauen zu helfen und sich um ihre Bed\u00fcrfnisse zu k\u00fcmmern, war ihr vorrangiges Ziel, aber sie auch f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Kommunistischen Partei zu gewinnen, war Teil ihres Programms und Voraussetzung f\u00fcr die materielle Unterst\u00fctzung durch die Partei. F\u00e1i verf\u00fcgte \u00fcber sehr gute organisatorische F\u00e4higkeiten und Erfahrung in der Arbeit mit gro\u00dfen Frauengruppen. Den intellektuellen Input erwarteten sie und ihre Mitstreiterinnen von Aranyossi. Die Frauen, die den MNDSz gr\u00fcndeten und organisierten, sahen sich oft mit der m\u00e4nnlichen F\u00fchrung der Kommunistischen Partei konfrontiert und erkannten, dass sie vom Schutz der Ehefrauen prominenter Kommunisten profitieren w\u00fcrden. F\u00e1i wandte sich an J\u00falia Rajk, die Ehefrau des sp\u00e4teren Innenministers und Sch\u00f6pfers der staatlichen Geheimpolizei, L\u00e1szl\u00f3 Rajk, und bat sie, die F\u00fchrungsposition als Chefsekret\u00e4rin der Organisation zu \u00fcbernehmen.<\/span><b\/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr diese ungarischen Frauen bedeutete die Zugeh\u00f6rigkeit zur sozialistischen Weltgemeinschaft oder, wie Celia Donert es genauer nennt, zum \u201aglobalen Sozialismus\u2018<\/span><b\/><span style=\"font-weight: 400;\">,<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">dass sie sich von der Rolle ihres Landes im Zweiten Weltkrieg als Hitlers letzter Satellit l\u00f6sen mussten. Die MNDSz-Frauen wurden 1945 zum ersten WIDF-Kongress in Paris eingeladen, und F\u00e1i war Mitglied der Delegation. Als sie sich an diesen Besuch erinnerte, schrieb sie:\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch f\u00fchlte diese enorme Aufregung. Nicht nur, weil dies, abgesehen von unserem Kontakt mit den jugoslawischen und rum\u00e4nischen Frauen, unser erster Kontakt mit dem Ausland [k\u00fclf\u00f6lddel] war. Wir wussten nicht viel \u00fcber die Frauenbewegungen anderswo, denn es gab noch keine Zug- oder Postverbindung. Aus der Brosch\u00fcre, die mit der Einladung verschickt wurde, haben wir nun erfahren, dass es Frauen aus Amerika, China, Vietnam, Italien, \u2026 gibt, die f\u00fcr die gleichen Ziele und mit \u00e4hnlichen Mitteln k\u00e4mpfen wie wir. Dass Frauen auf der ganzen Welt f\u00fcr Demokratie, Frieden, den Schutz und das Gl\u00fcck der Kinder k\u00e4mpfen. Da haben wir gesehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. \u2026 Von diesem Zeitpunkt an geh\u00f6rten wir zur Familie von Hunderten von Millionen demokratischer Frauen in der Welt.\u201c<\/span><b\/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Verwendung der Familie als Metapher f\u00fcr ein politisches B\u00fcndnis zeigt ein Gef\u00fchl der N\u00e4he, Loyalit\u00e4t und Intimit\u00e4t. Dar\u00fcber hinaus bedeutete die Teilnahme am WIDF-Kongress f\u00fcr F\u00e1i sowie f\u00fcr Rajk und Aranyossi die Anerkennung ihrer Ansichten und ihrer Arbeit scheinbar durch die ganze Welt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00e1i hat mehrere Erinnerungen an ihr erstes WIDF-Treffen im Jahr 1945 aufgeschrieben, in denen sie das Wohlwollen und die Neugier der Teilnehmerinnen hervorhebt, die trotz der Unkenntnis der Sprache und der Kultur der jeweils anderen eine warme und freundliche Atmosph\u00e4re schufen:\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eTausende von Frauen aus vierzig L\u00e4ndern versammelten sich dort, und viele von ihnen kamen von sehr viel weiter her und hatten oft eine sehr viel beschwerlichere Reise hinter sich als wir. Wir fanden hier die Cr\u00e8me-de-la-Cr\u00e8me der Frauen der Welt. Wir verstanden nicht einmal die Sprache der meisten von ihnen, und doch gab es vom ersten Augenblick an ein starkes Band zwischen uns allen. Wir waren sehr, sehr verschieden [voneinander]. Nicht nur unsere Sprache, unsere Hautfarbe, unsere Kleidung, unsere Br\u00e4uche. Es gab reiche und arme, hoch gebildete und sehr einfache Frauen. Aber die meisten von uns hatten den Krieg erlebt, viele von uns die H\u00f6lle der Gef\u00e4ngnisse und Konzentrationslager, wir alle hassten den Faschismus und waren bereit, f\u00fcr Frieden, Unabh\u00e4ngigkeit und Demokratie zu k\u00e4mpfen.\u201c<\/span><b\/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Was diese Frauen verband, brachte sie einander n\u00e4her: ihre politischen Ziele und die Opfer, die sie w\u00e4hrend des Krieges daf\u00fcr gebracht hatten. F\u00fcr diese ungarischen Frauen war das Zusammensein mit denjenigen, die an der Spitze des antifaschistischen Kampfes gestanden hatten, eine Form der Absolution von der besch\u00e4menden Vergangenheit ihres Landes.<\/span><\/p>\n<p><b>Freundschaft als Identit\u00e4t<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00dcber die Zeitschrift Asszonyok (reife oder verheiratete Frauen) des MNDSz teilten sie ihre Entdeckungen mit den Frauen zu Hause. Mit ihrem Farbdruck, den Haushaltstipps und der Kinderseite sprach die Zeitschrift Frauen aus fast allen Lebensbereichen an. Sie enthielt eine Rubrik mit internationalen Nachrichten, in der die MNDSz-F\u00fchrerinnen mit Bewunderung und einem Gef\u00fchl der Unterlegenheit von ihren Begegnungen mit anderen WIDF-Frauen berichteten: Im Gegensatz zu ihnen hatten die ungarischen Frauen \u201anichts \u00fcber den Kampf gegen den Faschismus zu sagen\u2018.<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">F\u00e1i, die ma\u00dfgeblich an der Organisation der Zeitschrift beteiligt war, beschrieb die Frauen, die sie in Paris traf, mit einer Sprache, die Intimit\u00e4t mit der Art von Journalismus verband, die normalerweise Filmstars vorbehalten war. Au\u00dferdem wies sie jeder einzelnen Frau in der WIDF-F\u00fchrung eine besondere Rolle zu und forderte die Leserinnen auf, diejenigen auszuw\u00e4hlen, mit denen sie sich am meisten identifizierten, und eine Reihe von Personen zu schaffen, wie aus einem Roman oder Film.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Einer der wichtigsten Briefe, der in Asszonyok eine herausragende Stellung einnimmt, stammt von Dolores Ib\u00e1rruri, auch bekannt als Pasionaria. Ib\u00e1rruri (1895-1989) war eine kommunistische Politikerin, die w\u00e4hrend des Spanischen B\u00fcrgerkriegs (1936-1939) auf der Seite der Republikaner*innen k\u00e4mpfte und ihre antifaschistische Arbeit w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs fortsetzte. Sie war eine der ersten vier Vizepr\u00e4sidentinnen der WIDF. In ihrem Brief spricht sie F\u00e1i und Anna Kara, eine weitere Aktivistin des MNDSz, als \u201ameine lieben Freundinnen\u2018 (kedves bar\u00e1tn\u0151im) an. Der Brief, der ansonsten eher oberfl\u00e4chlich war, war wegen seiner Freundschaftserkl\u00e4rung wichtig.<\/span><b>\u00a0<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">Ib\u00e1rruri wurde als eine der Besch\u00fctzerinnen der ungarischen Delegation bei der WIDF in Paris 1945 dargestellt, die sich daf\u00fcr einsetzte, dass die Delegierten des MNDSz in das Exekutivkomitee der WIDF eingeladen wurden: \u201aDenn das ungarische Volk ist nicht identisch mit den Horthy- und Sz\u00e1lasi-Faschist*innen, denn das wahre ungarische Volk besteht aus denjenigen, deren heldenhafte S\u00f6hne in Spanien k\u00e4mpften, von denen viele ihr Leben f\u00fcr die spanische Freiheit opferten.\u2018\u00a0<\/span><b>\u00a0<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00e1is Worte, die Ib\u00e1rruris Aussage wiedergeben, reflektieren erneut das heikle Thema des Status von Ungarn als \u201aletzter Satellit\u2018. Asszonyok verk\u00fcndete stolz, dass die Frauen im MNDSz den Respekt ihrer Kameradinnen in der WIDF verdienten, weil sie zur Aufrechterhaltung von Frieden und Demokratie in Ungarn beigetragen h\u00e4tten.<\/span><b>\u00a0<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">Im folgenden Jahr, 1948, war das Land sogar Gastgeber des n\u00e4chsten WIDF-Kongresses.<\/span><\/p>\n<p><b>Verrat an der Freundschaft<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dieser anf\u00e4ngliche Erfolg und die \u00c4ra der Hoffnung endeten 1948-49. Die Stalinisierung Ungarns war eine Zeit der Angst und des Terrors. Es kam zu Spannungen zwischen denjenigen, die zuvor politische Freundschaften pflegten, die politischen Zwecken dienten und private Freundschaften, die auf Loyalit\u00e4t, F\u00fcrsorge und Kameradschaft beruhen sollten. Frauen, die vorher in der kommunistischen Bewegung gefeiert wurden, verschwanden von der Bildfl\u00e4che. Selbst die Freundschaften, die sich zwischen Frauen innerhalb der ungarischen kommunistischen Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten, standen auf wackligen Beinen. Die Stalinisierung raubte den Frauen in der Bewegung viel von ihrer Freude und Leichtigkeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Memoiren von Magda Aranyossi aus dem Jahr 1978, die 2018 mit Anmerkungen ihres Neffen P\u00e9ter N\u00e1das, einem der wichtigsten zeitgen\u00f6ssischen Schriftsteller Mitteleuropas, neu aufgelegt wurden, enthalten wichtige Erkenntnisse \u00fcber diese Zeit. Aranyossi erinnert sich an die Rolle von Witzen und Selbstironie, die den illegalen kommunistischen Frauen w\u00e4hrend des Krieges halfen, ihre gute Laune zu bewahren. Derselbe Geist pr\u00e4gte auch die Zeit um die Gr\u00fcndung des MNDSz. Sie eigneten sich auf humorvolle Weise einige der urspr\u00fcnglich als beleidigend empfundenen Namen an (die ihnen z. B. von m\u00e4nnlichen Gegnern innerhalb der kommunistischen Bewegung gegeben wurden), und laut N\u00e1das nannten Aranyossi und ihre Freundinnen den MNDSz den Hexenclub und den Demokratischen Verband der Alten H\u00fchner. Er f\u00fcgt hinzu, dass nach der Verhaftung der Rajks 1949 selbst aus dem engsten Kreis seiner Tante alle Freude verschwand: \u201aF\u00fcr die Lebenserfahrung und den Humor der ehemaligen Pariser Emigrantinnen war fortan kein Platz mehr. Zumal alle, die nicht zur Gruppe der Moskauer Emigrantinnen geh\u00f6rten, unter dem schweren Schatten des Verdachts lebten. Bis auch sie verhaftet wurden.\u2018<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Rajk-Prozess war der gr\u00f6\u00dfte stalinistische Schauprozess in Ungarn. Andrea Pet\u0151 schreibt \u00fcber die Rolle, die F\u00e1i und viele der Frauen, die mit ihr und J\u00falia Rajk im MNDSz zusammenarbeiteten, bei der Zeugenaussage gegen die Rajks spielten.<\/span><b>\u00a0<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">L\u00e1szl\u00f3 Rajk wurde anschlie\u00dfend hingerichtet, J\u00falia Rajk inhaftiert und ihr kleiner Sohn in ein Kinderheim gebracht.<\/span><b>\u00a0<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">Pet\u0151 betont, dass die Protokolle des urspr\u00fcnglichen Prozesses von 1949 nicht mehr verf\u00fcgbar sind. Aus dem Rehabilitierungsprozess rekonstruiert sie jedoch, dass F\u00e1i bestritt, dass es eine Freundschaft zwischen ihr und ihrem Mann und den Rajks gab. Sie soll des Weiteren gesagt haben, dass sie J\u00falia Rajk nur in der Hoffnung, dass die Frau eines \u201agro\u00dfen Mannes f\u00fcr eine Massenorganisation n\u00fctzlich sein k\u00f6nnte\u2018, gebeten hatte, dem MNDSz beizutreten.<\/span><b>\u00a0<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">Trotz ihrer unerm\u00fcdlichen Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Kommunistische Partei und das Regime wurden F\u00e1i und Aranyossi ihrer Positionen im MNDSz enthoben und verloren auch ihre T\u00e4tigkeit f\u00fcr Asszonyok. Dar\u00fcber hinaus wurden sie von jeglicher direkten politischen Aktivit\u00e4t in Bezug auf Frauen ausgeschlossen \u2013 etwas, das f\u00fcr beide Priorit\u00e4t hatte und ihnen sehr am Herzen lag.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Freundschaft als Metapher wurde f\u00fcr die sowjetischen Expansionsbestrebungen nach dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung mit dem Bestreben verwendet, die Illusion einer Volksfrontpolitik aufrechtzuerhalten \u2013 eine Art Organisationsprinzip, das es Frauen aus einem breiten politischen Spektrum erm\u00f6glicht, ihre Ansichten zu \u00e4u\u00dfern und an der Politik teilzunehmen. Der Widerspruch zwischen dieser Position und den stalinistischen S\u00e4uberungsaktionen gegen jeden, der auch nur im Verdacht stand, anderer Meinung zu sein, wird in einem Artikel von Asszonyok auf geradezu absurde Weise deutlich. Die Zeitschrift ver\u00f6ffentlichte ein Bild von der Sitzung des Exekutivkomitees der WIDF im Oktober 1947 in Moskau, auf dem drei Frauen aus der tschechoslowakischen Delegation zu sehen sind: eine der bedeutendsten feministischen Denkerinnen und Politikerinnen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, Mil\u00e1d\u00e1 Hor\u00e1kov\u00e1, in Begleitung von Marie Trojanov\u00e1 als \u201aVertreterin der katholischen Frauen\u2018 und Ane\u017eka Hodinov\u00e1-Spurn\u00e1 von der Kommunistischen Partei. \u201aSie arbeiten zusammen und sind beste Freundinnen\u2018, hei\u00dft es in der Bildunterschrift. Hor\u00e1kov\u00e1 wurde jedoch innerhalb weniger Jahre von einer antifaschistischen Heldin zur Staatsfeindin und wurde im Juni 1950 im ersten Schauprozess in der Tschechoslowakei hingerichtet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Man fragt sich unweigerlich, wie nahe sich diese Frauen, insbesondere unsere Protagonistinnen F\u00e1i, Aranyossi und Rajk, tats\u00e4chlich standen. Ihre \u201aFreundschaft\u2018 ist in vielerlei Hinsicht ein R\u00e4tsel. Wie aus ihrer archivierten Korrespondenz hervorgeht, kannten sich Aranyossi und F\u00e1i schon lange und blieben bis an ihr Lebensende in Kontakt. J\u00falia Rajk wurde von Boris F\u00e1i in die Bewegung eingef\u00fchrt. Oftmals waren die Frauen politische Konkurrentinnen. Im besten Fall scheint ihre Beziehung eher eine Kameradschaft als eine Freundschaft gewesen zu sein. Wie Pet\u0151 jedoch herausfand, luden sich F\u00e1i und ihr Mann sowie die Rajks gegenseitig zu sich nach Hause ein, wodurch der Eindruck einer echten Freundschaft entsteht \u2013 zumindest bis zur Verfolgung der Rajks. Meine Recherchen haben sogar ergeben, dass die Polizei F\u00e1i und L\u00e1szl\u00f3 Rajk einmal gemeinsam verhaftet hat, und F\u00e1i erinnerte sich an Rajks f\u00fcrsorgliche Unterst\u00fctzung im Gef\u00e4ngnis.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die sowjetische Freundschaftspolitik spielte in der sowjetischen Innen- und Ostmitteleuropapolitik weiterhin eine entscheidende Rolle, aber die pers\u00f6nlichen und politischen Frauenfreundschaften mit all ihren Versprechungen und M\u00f6glichkeiten wurden zusammen mit den Institutionen und Initiativen der unmittelbaren Nachkriegszeit zunichte gemacht. Die Frauen, die Teil dieser kurzen Periode der Hoffnung waren, die an die M\u00f6glichkeit einer B\u00fcndnispolitik \u00fcber das breite politische Spektrum hinweg glaubten, die durch die Freundschaft symbolisiert wurde, waren in nur wenigen Jahren mit Repression, Verrat und Gewalt konfrontiert und haben manchmal selbst darauf zur\u00fcckgegriffen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dieser Artikel wurde von den Teilnehmer*innen des <\/span><a href=\"https:\/\/events.ceu.edu\/2023-11-23\/intersecting-histories-exploring-interdisciplinary-perspectives-friendship\"><span style=\"font-weight: 400;\">Workshops<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> \u201eIntersecting Histories: Exploring interdisciplinary perspectives on friendship\u201c angeregt, der von Zara Pav\u0161i\u010d am Demokratie-Institut der Central European University in Budapest veranstaltet wurde. Die Autorin hat viele Erkenntnisse aus den in \u201eInternational Solidarity as the Cornerstone of the Hungarian Post-War Socialist Women\u2019s Rights Agenda in Women\u2019s Magazines\u201c (IRSH 67 (2022), S. 103-129) ver\u00f6ffentlichten Forschungsergebnissen verwendet. Die Recherchen f\u00fcr diesen Artikel wurden mit Mitteln aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der Europ\u00e4ischen Union im Rahmen der Marie-Sk\u0142odowska-Curie-Finanzhilfevereinbarung MSCA-IF-EF-ST 841489 finanziert, die von der Universit\u00e4t Cambridge verwaltet wird.<\/span><\/p>\n<p><i>Dieser Artikel wurde im Rahmen des Jugendprojektes \u201eVom Wissen der Jungen. Wissenschaftskommunikation mit jungen Erwachsenen in Kriegszeiten\u201c, gef\u00f6rdert von der Kulturabteilung der Stadt Wien.<\/i><\/p>\n<\/p><\/div>\n<p>[ad_2]<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/www.eurozine.com\/frauen-unter-der-fahne-der-freundschaft\/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=frauen-unter-der-fahne-der-freundschaft\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[ad_1] Das Konzept der Freundschaft spielte bei der Schaffung einer neuen Weltordnung inmitten der Wiederaufbaubem\u00fchungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle. 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